Sport : Disziplin und Vitamine

Die 17-jährige Sabrina Rastetter ist Fußballprofi in Woronesch – im Uefa-Cup tritt sie in Potsdam an

Helen Ruwald

Potsdam – Als Fußballprofi in Russland hat Sabrina Rastetter waschen, bügeln und putzen gelernt. Dinge, die zu Hause in Karlsruhe ihre Mutter gemacht hat. Die 17-Jährige hat im Internat des FC Energy Woronesch regelmäßig Küchendienst, muss Geschirr spülen und „andere Spielerinnen bedienen“. Disziplin herrscht in der Küche und auf dem Trainingsplatz. Dort lässt Trainer Iwan Saenko die Spielerinnen ab und zu in einer Reihe strammstehen. Doch Rastetter fühlt sich wohl, „ich habe viel gelernt“.

Im Juli ist die Stürmerin vom deutschen Vizemeister 1. FFC Frankfurt zum FC Energy Woronesch gewechselt und hat mit ihrem Team Platz drei in der russischen Meisterschaft belegt. Am Sonntag tritt sie mit Woronesch im Viertelfinal- Rückspiel des Uefa-Cups bei Turbine Potsdam an (14 Uhr, Karl-Liebknecht- Stadion). Beim 1:1 im Hinspiel schoss sie das Führungstor. Nach dem Spiel in Potsdam zieht Rastetter vorerst wieder bei ihren Eltern in Karlsruhe ein und hält sich während der langen russischen Winterpause bei der A-Jugend des KSC fit.

Die amerikanische Profiliga Wusa, die sich wegen finanzieller Schwierigkeiten aufgelöst hat, lockte ausländische Spielerinnen mit viel Geld. Aber Russland, ein Land, das immer wieder mit Terroranschlägen Schlagzeilen macht? Sicherheitsbedenken hat Rastetter nicht, und man könne mit Fußball in Russland gut verdienen. „Ich weiß gar nicht, wo das Geld alles herkommt.“ Bis zu 40 000 Euro plus Erfolgsprämien sollen die besten Spielerinnen für eine Saison bekommen.

Rastetter trieb auch Frust nach Woronesch, in die 900 000-Einwohner-Stadt 500 Kilometer südlich von Moskau. Sie hatte sich vergangene Saison zweimal einen Ermüdungsbruch im Schienbein zugezogen und lange pausiert. Die Zugfahrten von Karlsruhe zum Training nach Frankfurt kosteten Zeit, die ihr für die Schule fehlte. Die 11. Klasse des Sportgymnasiums „habe ich mit Mühe geschafft.“ Dann musste sie auch noch verletzt mit ansehen, wie ihr Team die Endspiele im DFB-Pokal und im Uefa-Cup verlor und auch das entscheidende Spiel um die Meisterschaft gegen Potsdam. „Ich wollte raus aus diesem Land", erzählt Sabrina Rastetter. Sie unterschrieb in Woronesch einen Einjahresvertrag – Verlängerung nicht ausgeschlossen.

Der Kontakt war schon im Vorjahr entstanden. Der Sohn ihres Trainers ist Stürmer beim Zweitligisten Karlsruher SC, Iwan Saenko junior. Er hatte ihr von Woronesch erzählt. Vor einem Jahr flog sie mit ihren Eltern nach Russland und trainierte dort. Trainer Saenko verabschiedete sie mit den Worten: „Mach die Schule fertig, und komm dann zu uns.“ So lange wollte Rastetter nicht warten.

Schulfreunde und Lehrer schicken ihr nun per Mail die Hausaufgaben. Russisch lernt sie nebenbei – auch im Kino, wo unlängst „Findet Nemo" lief. Die wichtigsten Fachausdrücke kennt sie längst auf Russisch, bei Training und Spiel ist eine Dolmetscherin dabei. Aber: „Wenn Saenko mich anbrüllt, macht er das ohne Dolmetscherin. Er weiß, dass ich das verstehe.“ Das harte Training ein- bis zweimal täglich tue ihr gut. Die medizinische Betreuung imponiert ihr, „deutsche Vitamine, Akupunktur und drei Masseure“.

Turbines Trainer Bernd Schröder beeindruckt das nicht. „Wenn wir diesem Gegner nicht drei Tore einschenken, haben wir den Einzug ins Halbfinale nicht verdient.“ Sabrina Rastetter will ihm das Gegenteil beweisen.

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