Djokovic-Aus in Melbourne : Alles reine Kopfsache

Jahrelang hat Novak Djokovic das Männertennis dominiert. Doch es scheint, als würde ihm im Moment die letzte Gier fehlen. Kommt er noch einmal zurück?

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Gratulation mal andersherum. Novak Djokovic steht inzwischen wieder häufiger auf der Verliererseite
Gratulation mal andersherum. Novak Djokovic steht inzwischen wieder häufiger auf der VerliererseiteFoto: AFP

Tennis ist ein grausamer Sport. Oft machen wenige Punkte den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage aus. Novak Djokovic war in den vergangenen Jahren meist der Spieler, der die entscheidenden Ballwechsel für sich entschied. Er gewann sie, weil er seine Gegner nicht nur mit dem Schläger, sondern vor allem mit dem Kopf dominierte.

Doch irgendwann verbraucht sich die permanente mentale Überlegenheit. Der Spieler wirkt erschöpft, verliert das eine Prozent an Gier und in der Folge das Selbstverständnis. Bei Novak Djokovic folgte dieser Moment auf seinen Sieg 2016 bei den French Open. Es war der letzte große Grand Slam, der dem Serben noch fehlte. Bis dahin hatte er nach Mitteln und Wegen gesucht, seine Gegner zu beherrschen – und mit Roger Federer und Rafael Nadal waren es wohl die besten Spieler aller Zeiten, die bezwungen werden mussten. Djokovic hatte das geschafft, was ihm nicht jeder zugetraut hat. Er war über Jahre ganz oben.

Am Donnerstag hat er bei den Australian Open in der zweiten Runde gegen Denis Ustemin aus Usbekistan verloren. Es war eine knappe Niederlage in einem dramatischen Fünfsatzmatch. Die wichtigen Punkte machte sein Gegner, Djokovic wirkte zuweilen passiv, er ließ dem Gegner trotz Führung den Glauben an die Sensation. Und kassierte die früheste Niederlage bei einem Grand-Slam-Turnier seit fast neun Jahren.

Sein Ex-Trainer Boris Becker sprach von einem „Erdrutsch“, schon wird laut von einem nahenden Ende der Ära Djokovic gesprochen. Tatsächlich ist dies denkbar, mit 29 Jahren haben andere Größen schon gar nicht mehr gespielt. Dabei hat Djokovic durchaus noch das Potenzial für Siege. Aber er wäre nicht der Erste, der nach einer erfolgreichen Karriere nicht mehr dauerhaft das Feuer in sich spürt. In einer Sportart wie Tennis, in der wenige Punkte über Wohl und Wehe entscheiden, kann das schon den Unterschied zwischen grausam und grandios ausmachen.

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