Sport : Djorkaeff, der Künstler

Oliver Trust

Die Statistiker haben den 21. Spieltag abgehakt. Wir aber müssen noch mal auf etwas zurückkommen - wie jeden Montag

Es herrscht helle Aufregung, wenn er im 120 000-Einwohner-Städchen Kaiserslautern über die Straße geht. Und es herrscht überschäumende Begeisterung oben im Fritz-Walter-Stadion, wenn er nach Toren vor die Westtribüne läuft. So wie am Sonnabend nach seinem wunderschönen Treffer, dem dritten für den FCK in diesem Spiel, beim 4:3 gegen Bremen. Weit ausgebreitete Arme, ein Lächeln und ein Sprint zur Trikolore, die in der Ecke am Zaun hängt. Youri Djorkaeff umarmt die Fans des 1. FC Kaiserslautern, und er umarmt "sein" Frankreich. Ein Wunderdoktor für viele biedere Fußballhandwerker, die vor allem grätschen, kämpfen und die Ärmel hochkrempeln. Er aber ist ein Künstler.

Nur manchmal denkt der 31-Jährige wehmütig an seine Zeit in Mailand, Paris oder Monaco. "Aber ich wollte einmal etwas anderes ausprobieren. Eine ländliche Gegend, eine andere Kultur", sagt der Franzose armenischer Abstammung. Nur manchmal, da flüchtet er doch. Für ein, zwei Tage in eine große Stadt, um Luft zu holen und zu atmen. Sonst spielt sich nur Fußball in seinem Kopf ab. Spielzüge, Doppelpässe und Angriffe. Wie ein Computer spielt er alles durch. "Wenn ich irgendwo auf der Straße gehe, denke ich an die Pässe, die Kombinationen und Möglichkeiten", sagt er. "Rechts, links, durch die Mitte, Doppelpass - das sehe ich vor mir, wo ich gerade bin. Dann kommt das Spiel, und ich bin bereit." Und er liebt diese (Computer-) Spiele, ob sie nun in seinem Kopf oder an der Play-Station stattfinden. "Tick, tick, tick - a big goal", sagte er am Sonnabend. "Wie an der Play-Station. Es war ein Play-Station-Tor." Ein Lächeln überzieht sein Gesicht. "Ich bin ein Siegertyp", sagt er. Bei ihm allerdings klingt so etwas nicht plump, es klingt so virtuos und prickelnd, wie sein Spiel auf dem Rasen aussieht. "Ich will immer gewinnen", sagt der Mann, den sie in Frankreich ein "Mysterium" nannten. "Ich bin Individualist", sagt er, "das ist etwas anderes als Egoist."

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