Sport : Doch bei Wettkämpfen mangelt es an Professionalität - RTL verlangt Reformen

Nach den Turbulenzen bei den Skispringern in den vergangenen Wochen gerät der Internationale Skiverband Fis unter Druck. "Die Fis und die Organisatoren sind nicht mehr in der Amateur-, sondern in der Profiliga. Wenn man höhere Einnahmen bekommt, muss man selbst auch profihafter werden. Das Skispringen ist kein Sport mehr wie früher, wo die Buben mit dem Ski an die Schanze kamen", sagt Hans Mahr, Informationsdirektor des Fernsehsenders RTL.

Der Deutsche Skiverband (DSV) kassiert für die deutschen TV-Rechte 48,5 Millionen Mark in drei Jahren, die Fis für drei Skiflug-Weltmeisterschaften über zehn Millionen Mark. Tatsächlich haben die Abwicklung und Organisation von Wettkämpfen nicht mit dem Aufstieg der Sportart zum TV-Renner Nummer drei hinter Formel 1 und Fußball Schritt gehalten. Besonders deutlich wurde das bei der Skiflug-WM in Vikersund, wo sogar eine Fräse für die Anlaufspur fehlte. Mahr sagte: "Vikersund war wegen der Windprobleme keine gute Wahl, da muss man für solch ein Highlight andere Schanzen suchen. Und es kann nicht sein, dass bei einer WM die Startnummern fehlen." Klar sei, dass man gegen das Wetter nichts machen könne, aber selbst bei solchen Bedingungen müssten leicht organisierbare Wettkampfformen gefunden werden, die eine Durchführung leichter machen.

Fis-Skisprung-Direktor Walter Hofer will im Sommer ein System testen, nach dem eine Konkurrenz mit unterschiedlichen Anlauflängen für die Springer mittels eines mathematischen Faktors auswertbar wird. "Auch ein K.-o.-System und die Einführung der Porzellanspur würden vieles leichter machen", glaubt Mahr. Außerdem wünscht er sich, dass die von seinem Sender zu übertragenden Springen "zack, zack" im Kalender der nächsten Saison aufgenommen werden sollten: "Die Fis hat auch Wünsche."

Bundestrainer Reinhard Heß bezeichnet die Zusammenarbeit mit dem Privatsender als "insgesamt positiv, auch wenn wir alle einen Lernprozess durchmachen". Den hat auch RTL hinter sich und will trotz des Chaos der letzten Wochen seine Skisprung-Übertragungen ausweiten. Die Aufregung mit Pannen, Skandalen und Streiks von Überflieger Martin Schmitt findet Mahr nicht schlimm: "Lieber habe ich ein bisschen Aufregung, als dass alle freundlich sind und nichts passiert. Wenn ich mir überlege, was der Matthäus schon so alles gesagt hat, ist doch der Schmitt ein zurückhaltender und lieber Kerl."

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