Sport : Doch kein Spitzenteam

Nach der Niederlage gegen den FC Bayern herrscht bei Schalke Frustration.

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Ein Spieler von Schalke 04 schlägt nach der Niederlage gegen den FB Bayern die Hände vor das Gesicht.
Nach der Niederlage gegen den FC Bayern herrscht bei Schalke Frustration.Foto: Reuters

Gelsenkirchen - Die Spuren des Spiels waren auf Horst Heldts Gesicht abzulesen. Der Manager des FC Schalke 04 sah nach dem 0:2 gegen den FC Bayern München müde, ausgelaugt, geradezu genervt aus. Heldt konnte seine Enttäuschung nicht überspielen, wollte das aber auch gar nicht. „Das war wieder wie in der Vergangenheit. Wir waren einfach nicht mutig genug“, sagte der 42-Jährige. Es war die erste Niederlage der Schalker in dieser noch jungen Saison. Und dennoch hatte sie einen richtungsweisenden Charakter für das Team aus dem Ruhrgebiet.

Die Schalker hatten sich nach den jüngsten Auftritten und Ergebnissen aus der Bundesliga sowie der Champions League eingeredet, den Abstand auf die beiden Spitzenteams aus München und Dortmund verkürzt zu haben. Sie wollten mit dem Rekordmeister auf Augenhöhe agieren, vielleicht sogar die Überraschung schaffen und mit einem Sieg die Dominanz der beiden Branchenführer angreifen. Gerade im vergangenen Jahr hatten sie in vier Partien keine Chance gegen die Bayern und den BVB. Die neue Erkenntnis nach dem ernüchternden Samstagnachmittag dürfte eher heißen: Die Mannschaft von Trainer Huub Stevens hat sich noch einen Tick weiter von der Spitze entfernt.

„Wir sind natürlich enttäuscht. Aber es wird schwierig, gegen die Bayern zu bestehen, wenn man keinen Supertag hat“, sagte Huub Stevens. Das neue, möglichst flexible Spiel der Schalker über die Flügel hatte nicht funktioniert, weil sich die Bayern auf diese Taktik schnell eingestellt hatten und beinahe sämtliche Angriffe neutralisierten. Und die Schalker waren nicht in der Lage, sich umzustellen und kurzfristig andere Lösungen durch das Zentrum des Spielfelds zu finden. Hatten sie in der ersten Hälfte noch einigermaßen mitgehalten und zumindest sieben Minuten lang ein wenig Druck ausgeübt, gaben sie sich im zweiten Durchgang, nach dem ersten Gegentreffer nach 55 Minuten, bereits vollständig auf. „Dass wir nach dem 0:1 die Köpfe haben hängen lassen, das verdienen unsere Fans nicht“, sagte Stevens.

Die Frustration der Schalker Spieler war so groß, dass sie kaum noch Gegenwehr leisteten. Viele Zuschauer in der Gelsenkirchener Arena hatten bereits frühzeitig ihre Plätze verlassen und den Heimweg angetreten. Der verbliebene Rest staunte nur noch sprachlos und desillusioniert ob dieser Darbietung. „Wir werden wiederkommen und uns jetzt nicht verrückt machen“, sagte Mittelfeldspieler Jermaine Jones. Das klang aber eher nach verunglückter, verbaler Schadensbegrenzung. Denn vielen Anhängern ist an diesem Nachmittag wieder einmal ein elementarer Aspekt ihrer Begeisterung genommen worden. Der realistische Glaube daran, dass ihre Mannschaft in den Kampf um den so sehnlichst erhofften Meistertitel direkt eingreifen könnte.

Die jüngste Vergangenheit hatte bei nahezu allen Beteiligten eine kleine Euphorie entfacht. Diese wurde nun mit einem Spiel zunichte gemacht. Weshalb die Schalker zuletzt gerade in den Spielen gegen die Spitzenteams nie ihre Bestleistung erreichten, dürfte eher in der Psyche der Mannschaft liegen. Gerade hoch dotierte Spieler wie Jefferson Farfan, Klaas-Jan Huntelaar oder auch Jermaine Jones, die gegen eher durchschnittliche Gegner häufig den Unterschied ausmachen, wirken in diesen entscheidenden Partien häufig gehemmt. „15 gute Minuten reichen nicht“, sagte Heldt.

Der strikt verfolgte finanzielle Konsolidierungskurs der Schalker ist aus Sicht der Schuldentilgung des Klubs überaus sinnvoll. Mit Blick auf das Schließen der sportlichen Lücke zur Bundesligaspitze ist diese Haltung aber eher kontraproduktiv. Die Verantwortlichen müssen nun darauf hoffen, dass ihre junge, mit vielen Talenten besetzte Mannschaft sich in den kommenden Wochen und Monaten zügig weiterentwickelt. Aber vor allem müssen sie dafür sorgen, dass die Spieler von einem Rückstand nicht derartig aus der Bahn geworfen werden, dass sie ihre sämtlichen Stärken von einem auf den anderen Moment verlieren. Jörg Strohschein

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