Sport : Dösendes Monster erweckt Dallas verliert zum Play-off-Auftakt der NBA

Matthias B. Krause

New York. Das schwarze Banner hing eine ganze Saison lang in der Trainingshalle der Dallas Mavericks. Besitzer Mark Cuban hielt damit penibel seinen Angestellten vor Augen, wie viele Korbleger und Dunks sie in den Play-offs beim Ausscheiden gegen die Sacramento Kings zugelassen hatten. Es verschwand schließlich irgendwann im vergangenen Sommer, weil es tatsächlich so aussah, als hätten die Spieler ihre Lektion gelernt. Doch nach der 105:116-Niederlage bei den Kings zum Auftakt der ersten Runde in diesem Jahr würde es niemanden wundern, wenn Cuban jemanden in den Keller schickt, um nach dem Ding zu fahnden. Es wird dringend gebraucht.

Drei Viertel des Spiels sah es so aus, als würden Dirk Nowitzki & Co. einmal mehr mit ihrem ungewöhnlichen Stil davonkommen. Sie rannten das Feld in einem Affenzahn rauf und runter, schossen aus allen Lagen und sammelten den Ball so schnell aus dem eigenen Korb, dass die Kommentatoren kaum hinterherkamen, ihren Zuschauern zu erklären, was da eigentlich vor sich ging. Die Uhr, die die Angriffszeit auf 24 Sekunden begrenzt, hätte problemlos eingemottet werden können. Mit einem Punkt führten die Mavericks vor Beginn des Schlussabschnitts, dann kam der totale Zusammenbruch. Die Kings zeigten, dass sie zumindest für kurze Zeit ernsthaft verteidigen können, wenn sie nur wollen. Dallas hatte dem nichts entgegenzusetzen als Ballverluste und Fehlwürfe. Lediglich Nowitzki stemmte sich mit allem dagegen, was er hatte, doch das war viel zu wenig.

„Wir müssen dieses Spiel so schnell wie möglich vergessen“, sagte der Deutsche hernach, „sie waren einfach heiß und haben aus allen Winkeln getroffen. Wir haben um jeden einzelnen Korb gerackert, sie hatten zu viele leichte Punkte.“ Dagegen halfen auch seine 32 Zähler und 13 Rebounds wenig. Sacramento bedankte sich für die nachlässige Verteidigungsarbeit der Texaner mit einer 53-prozentigen Wurfquote aus dem Feld. Nowitzki stöhnte: „In der ersten Halbzeit waren es sogar so um die 70 Prozent, so ist es für uns fast unmöglich zu gewinnen.“

Man kann die Sache auch so sehen wie Kevin B. Blackistone, Kolumnist der „Dallas Morning News“. Die verteidigungslosen Mavericks hätten sich selber geschlagen, schreibt er: „Worüber sich die Mavericks wirklich Sorgen machen müssen, ist, ob sie nun einen schon halb toten Klub der Könige wiederbelebten. Haben sie ein dösendes Monster erweckt? Haben sie Inspiration und Selbstvertrauen injiziert, wo schon keines mehr war?“ Elf ihrer letzten 18 Spiele vor den Play-offs hatten die Kings verloren. Selbst zweitklassige Teams wie die Washington Wizzards oder die Golden State Warriors waren zu stark für sie. Nun jedoch sehen sie wieder so aus, wie man sie früher kannte. Wenn niemand das alte Banner findet, sollte Cuban schnellstens ein neues drucken lassen. Vielleicht hilft’s.

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