Sport : Dope lieber ungewöhnlich

In Ausnahmefällen dürfen positiv getestete Athleten nach kurzer Zeit wieder starten – zum Unmut des Leichtathletik-Verbandes

Jörg Wenig

Berlin. Lamine Diack kann den komplizierten Kampf der Sportverbände gegen das Doping in einem einfachen Satz zusammenfassen. Wenn man den Präsidenten des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) nach den richtigen Methoden gegen Dopingsünder fragt, dann gibt er zur Antwort: „Der Wada-Code ist weicher als die Anti-Doping-Regeln unserer IAAF.“ Übersetzt heißt das: Die Leichtathleten gehen strenger mit Dopingsündern um als von der Welt- Anti-Doping-Agentur Wada vorgeschrieben. Einen neuen Streit innerhalb des Sports will Diack deshalb aber nicht entfachen. Er sagt: „Wir akzeptieren diesen Zustand, denn wir haben zehn Jahre lang für eine derartige Regelung gekämpft.“

Die überhand nehmenden Dopingskandale im Radsport waren es, die dazu führten, dass im Jahre 1999 die Wada gegründet worden war. Als Ziel dieser Institution wurde definiert, die Regeln gegen den Betrug weltweit und in allen Verbänden zu harmonisieren. Anfang März hatten die wichtigsten internationalen Sportverbände sowie 80 Regierungen, darunter die Bundesregierung, ihre Zustimmung zum Wada-Code gegeben.

Im Rahmen des IAAF-Councilmeetings in Berlin ging es am Wochenende unter anderem um den Wada-Code, und dabei besonders um den Punkt „exceptional circumstances“. Diese „außergewöhnlichen Umstände“ eines Dopingfalles könnten, so sieht es der Wada-Code jedenfalls vor, in Ausnahmefällen zu einer kürzeren Sperre führen. Daran störten sich die Leichtathleten. Diack ist eigentlich dagegen. Er sagt: „Es ist nicht gut, wenn Fußballspieler positiv getestet werden und bald darauf wieder spielen dürfen.“ Schließlich kam das Council jedoch zu dem Schluss, die „exceptional circumstances“ zu akzeptieren. „Wir werden allerdings bei den einzelnen Fällen sehr genau zuhören, wenn es um die Begründung geht“, erklärte Lamine Diack. Außerdem beschloss die IAAF, künftig auch gegen Mittäter, vor allen Trainer von gedopten Athleten, vorzugehen und diesen Akkreditierungen für internationale Meisterschaften zu verweigern. Damit wären sie nicht mehr in der Lage, ihre Athleten bei den Saisonhöhepunkten zu betreuen.

Arne Ljungqvist, der für den Bereich Doping zuständige Vizepräsident der IAAF, wies darauf hin, dass noch vor zwei Jahren 60 Prozent aller Trainingskontrollen sämtlicher internationalen Verbände auf die Leichtathletik fielen und zusätzlich 20 Prozent auf die Schwimmer. „Da blieb nicht mehr viel Kontrolle für die lange Latte der olympischen Sportarten übrig.“ Für die Zukunft wünscht sich der Internationale Leichtathletik-Verband ein ausgewogeneres Verhältnis.

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