Doping : 224 Athleten, 74 Kontrollen

Ein interner Bericht zeigt: Vor allem im Radsport und im Eishockey wird zu wenig gegen Doping getan.

Holger Schück

In den deutschen Sportverbänden gibt es nach wie vor gravierende Mängel bei der Dopingbekämpfung. Ein Fünftel der Fachverbände erfüllt die allgemeingültigen Kriterien nicht, unter ihnen der Bund Deutscher Radfahrer und der Deutsche Eishockey-Bund. Das geht aus dem internen Jahresdopingbericht hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt.

Das 139 Seiten starke Dokument hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gemeinsam mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) erstellt. Der Bericht basiert auf Antworten der Verbände nach ihren Maßnahmen gegen Doping. Abgefragt wurden etwa die Teilnahme am Kontrollsystem, Sanktionsverfahren und Aktivitäten zur Prävention. Diese Maßnahmen sind bei Inanspruchnahme öffentlicher Fördermittel vorgeschrieben. Umgesetzt werden sie laut Bericht nicht überall.

So heißt es über den Bund Deutscher Radfahrer, der weiterhin um die öffentliche Förderung bangen muss, er habe die Vorgaben des Anti-Doping-Codes erst nach Eingang des Fragebogens im April 2008 umgesetzt. Ähnliches gilt für den Deutschen Eishockey-Bund: Nach eigener Darstellung hat er für seine 224 Kaderathleten im vergangenen Jahr lediglich 74 Trainingskontrollen durchgeführt. In der letzten Meisterschaftssaison der Deutschen Eishockey-Liga und der Zweiten Eishockey-Bundesliga gab es nur rund 100 Wettkampfkontrollen auf Doping. „Gegenwärtig sind die wesentlichen Bestimmungen des Nationalen Antidoping-Codes (noch) unzureichend umgesetzt“, heißt es dazu in dem Bericht. Ob sich das auch auf die Nachbesserungen in diesem Sommer bezieht, lässt das vertrauliche Dokument offen.

Während der formale Anti-Doping- Kurs im Deutschen Fußball-Bund, Deutschen Leichtathletik-Verband und im Deutschen Schwimm-Verband Bestnoten erhielt, heißt es im Jahresdopingbericht über den Deutschen Motorsportbund: „Es existieren weder Anti-Doping-Klauseln in den maßgeblichen Mitarbeiterverträgen, noch haben die betroffenen Mitarbeiter Ehren- und Verpflichtungserklärungen unterzeichnet.“ Für die 57 Kaderathleten seien 2007 keine Trainingskontrollen durchgeführt worden. Der Deutsche Motoryachtverband weigerte sich nach Darstellung des DOSB sogar, einen Anti-Doping-Bericht einzureichen. Auch der Deutsche Skibob-Verband sei nicht bereit gewesen, die Verankerung der Anti-Doping-Bestimmungen in seinem Regelwerk mitzuteilen.

„Nicht alle Fachverbände haben den Nada-Code in ihr Verbandsregelwerk umgesetzt“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. Diese „Missstände“ sollten auf der Mitgliederversammlung am 6. Dezember in Rostock diskutiert werden. Das Innenministerium hat laut Staatssekretär Christoph Bergner (CDU) nun das Bundesverwaltungsamt gebeten, Verstöße gegen die Anti-Doping-Vorgaben zu untersuchen. Mögliche Rückforderungen von Fördermitteln wollte Bergner auf Nachfrage nicht ausschließen.

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