Doping : Alberto Contador: Auf die krumme Tour

Alberto Contador wurde während der Tour de France positiv auf das Kälbermastmittel Clenbuterol getestet. Der Weltverband UCI hätte das wohl gern noch länger verschwiegen, nun aber wurde der dreifache Toursieger gesperrt.

Tom Mustroph
Wieder einmal steht ein Sieger der Tour de France im Fokus.
Wieder einmal steht ein Sieger der Tour de France im Fokus.Foto: AFP

Und wieder wird ein Radstar aus dem Verkehr gezogen. Diesmal: Alberto Contador. Er ist mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol erwischt worden. Der Fall ereignete sich noch während der Tour de France im Juli, aber erst zwei Monate später gab der Weltverband UCI das Ergebnis bekannt. Der dreifache Toursieger macht Verunreinigungen von Nahrungsmitteln dafür verantwortlich.

Der Verdacht liege nahe, dass die UCI den Fall gerne noch länger verschwiegen hätte. Denn am Mittwochabend war der ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt im Schweizerischen Aigle, um von der UCI Auskunft über einen möglichen Dopingfall Contador zu erbitten. „Es gibt keinen solchen Fall“, wurde er abgewiesen. Noch in der Nacht zum Donnerstag gab die UCI aber per Pressemitteilung bekannt: „Der spanische Radprofi Alberto Contador wurde in einer am zweiten Ruhetag der Tour de France am 21. Juli genommenen Urinprobe positiv auf Clenbuterol getestet.“ Als Konsequenz wurde Contador gesperrt. Die UCI gab auch die Konzentration des Steroids an – 50 Picogramm, ein Picogramm ist ein billionstel Gramm – und machte sich die Mühe, dabei sogar die zehn Nullen zwischen der Ziffer fünf und dem Komma aufzuführen. Der Eindruck einer Winzigkeit sollte hier erweckt werden.

Der Spanier soll schon 2006 auf der Fuentes-Liste gestanden haben.
Der Spanier soll schon 2006 auf der Fuentes-Liste gestanden haben.Foto: AFP

Der Biochemiker und Dopingexperte Fritz Sörgel lässt sich davon nicht beeindrucken. „Die Menge spielt gar keine Rolle. Clenbuterol ist ein körperfremder Stoff. Er steht auf der Dopingliste der internationalen Anti- Doping-Agentur Wada. Das ist ganz eindeutig ein Dopingfall.“ Sörgel ergänzt: „Die Wada weist neuerdings darauf hin, dass man Einzelfälle gesondert betrachten muss.“ Clenbuterol ist so ein Fall. Das Steroid geriet vor 18 Jahren in die Schlagzeilen, als es in den Körpern der Leichtathletinnen Katrin Krabbe und Grit Breuer gefunden wurde. Das Mittel hilft indirekt dem Muskelaufbau: Es verzögert den Abbau der Muskulatur. Dass Contador dieses Mittel dafür eingesetzt haben könnte, ist aber kaum anzunehmen. Dazu ist die Konzentration zu gering.

Ist ein Chinaimbiss im französischen Pau verantwortlich?

Contador erklärte auf einer Pressekonferenz: „Die Substanz muss über Nahrungsmittel in meinen Körper gelangt sein.“ Von verunreinigtem Fleisch ist die Rede. Auch der ebenfalls mit Clenbuterol erwischte Tischtennisnationalspieler Dmitrij Owtscharow argumentiert so. Der Mannschaftseuropameister, dessen B-Probe am Donnerstag bestätigt wurde, hielt sich immerhin in China auf. Dort soll Clenbuterol häufig in der Viehzucht eingesetzt werden. Contador kann allenfalls einen Chinaimbiss in Pau, wo die Tour de France ihren Ruhetag absolvierte, aufgesucht haben.

Es gibt durchaus Anlass zur Überlegung, warum Leistungssportler versucht sein könnten, nur kleine Mengen Clenbuterol einzunehmen. „Wir müssen uns von unserem Lehrbuchwissen verabschieden“, sagt Sörgel. „Clenbuterol kann auch andere Effekte als die bisher beschriebenen haben. Es kann das Zentralnervensystem angreifen, psychologische Wirkungen haben und auch Einflüsse auf die Lunge ausüben. Sportler nehmen sich Zeit und testen aus, was ihnen guttut.“

Verschärfend für Contador kommt hinzu, dass die ARD, die seit einigen Tagen schon zu dem Fall recherchiert, laut Seppelt über weitere Testergebnisse verfügt. Diese könnten Hinweise darauf geben, dass Contador auch Eigenblutdoping betrieb. Sein Name stand bereits 2006 auf der Kundenliste des mutmaßlichen Dopingarztes Eufemiano Fuentes, verschwand dann aber plötzlich wieder.

ARD und ZDF denken über endgültigen Ausstieg aus der Berichterstattung nach

Der mögliche Dopingfall könnte für die öffentlich-rechtlichen Sender auch ein Grund sein, endgültig aus der Tour-Berichterstattung auszusteigen. „Wir sind momentan in Gesprächen mit der ARD. Es gibt aber keine grundsätzliche Entscheidung“, erklärte ZDF-Sprecher Walter Kehr der Nachrichtenagentur dpa. Bereits in der Vergangenheit hatten sich mehrere ARD-Intendanten wegen der zahlreichen Dopingfälle im Radsport für einen Tour-Ausstieg ausgesprochen. Doch der Vertrag ist bis 2011 datiert und verpflichtet die Sender zu täglichen Berichten über die Etappen. 2009 ging der Live-Anteil auf rund 30 Minuten pro Tag zurück, in diesem Jahr erhöhte er sich auf rund 60 Minuten.

Die Radsportszene reagiert im Fall Contador auffällig zurückhaltend. Die UCI hat die Information über den positiven Test so lange wie möglich hinausgezögert. Die UCI und der Tour-Organisator ASO wollen „weitere wissenschaftliche Untersuchungen abwarten“, hieß es. Laut Wada-Code droht Contador eine zweijährige Sperre. Denn jeder Sportler ist nach der internationalen Anti-Doping-Gesetzgebung dafür verantwortlich, was in seinen Körper gelangt. Wenn Alberto Contador jedoch nachweist, dass er Clenbuterol unwissentlich über Nahrungsmittel eingenommen hat, kann die Sperre reduziert oder sogar ganz aufgehoben werden.

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