Doping-Aufklärung in Freiburg : Der Sumpf ist noch nicht trocken

Nach dem Rücktritt der Doping-Kommission will die Universität Freiburg will nun selbst aufklären. Genau das ist aber viel zu wenig. Ein Kommentar.

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Die Kommissionsvorsitzende Letizia Paoli.
Die Kommissionsvorsitzende Letizia Paoli.Foto: Imago

Im westdeutschen Doping-Biotop Freiburg herrscht immer noch ein eigenes Klima. Hier steht die Luft und die Aufklärungsbemühungen sind allenfalls ein laues Lüftchen. Einen anderen Eindruck lassen die Geschehnisse der vergangenen Tage nicht zu. Fünf der sechs Mitglieder der Evaluierungskommission haben hingeschmissen, die eigentlich die Betrugsvergangenheit an der Freiburger Sportmedizin unabhängig aufklären sollten. Die Aufklärung ist jetzt erst einmal am Ende.

Universitätsleitung und Kommission haben sich kurz vor Auflösung des Gremiums gegenseitig mit Ultimaten beballert. Und ob nun das Ende der Kommission durch Dickköpfigkeit der Mitglieder begünstigt wurde oder nicht – der Schaden bleibt an der Universität hängen. Sie hat den Eindruck nicht widerlegen können, alles für eine wirkliche und vor allem unabhängige Aufklärung zu tun.

In der DDR wurde auf Befehl gehandelt hätten, im Westen aus eigenem Antrieb

Die Universität Freiburg will nun selbst aufklären. Genau das ist aber viel zu wenig. Ein Abschlussbericht der Universität wäre im Vergleich zu dem einer unabhängigen Kommission nicht einmal die Hälfte wert. Jedenfalls ist wieder Zeit verloren gegangen. Wie schnell lief dazu im Vergleich die Aufarbeitung des Staatsdopings in der DDR ab, wenn auch unter maßgeblicher Initiative der westdeutschen Aktivisten Brigitte Berendonk und Werner Franke.

In Freiburg wirkten die beiden sportmedizinischen Gurus Armin Klümper und Joseph Keul, viele ihrer Patienten schwärmten von ihnen. Doch ihr medizinisches Ethos ist erschütternd. Die Ärzte des Radsportteams Telekom/T-Mobile handelten in ihrem Ungeist weiter. Es gibt mehr als genug nachzuzeichnen und zu untersuchen: die historischen Fakten, die medizinische Dimension aber vor allem auch die Mentalität des Betrugs. Ein westdeutscher Leichtathletik-Bundestrainer hat einmal gesagt, die kriminelle Energie zum Dopen sei im Westen höher gewesen als im Osten, weil in der DDR die meisten auf Befehl gehandelt hätten, im Westen dagegen aus eigenem Antrieb. Auch dieser Vorwurf ist in Freiburg noch nicht entkräftet worden.

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