Doping aus Freiburg : Seltsame Tradition

Wieder sind Sportärzte aus Freiburg Teil der Dopingdiskussion – das ist schon seit Jahren so.

Frank Bachner

Werner Franke hat Lothar Heinrich und Andreas Schmid angezeigt, das ist nur konsequent. Der Doping-Experte Franke vermutet schon seit Jahren, dass bei den Radprofis von Team Telekom gedopt wird, und jetzt verstärkte der frühere Telekom-Betreuer Jef D’Hont Frankes Verdacht. D’Hont beschuldigt die Sportärzte Heinrich und Schmid, die hätten beim Team Telekom das Dopingmittel Epo beschafft und verabreicht. Die Mediziner, beide bei der Uniklinik Freiburg angestellt, bestreiten die Vorwürfe.

Dass nun aber wieder Sportmediziner aus Freiburg in eine Dopingdiskussion verwickelt sind, das ist genauso konsequent. Dieses Thema hat eine jahrzehntealte Tradition. Die sportmedizinische Abteilung der Uni Freiburg ist Anlaufstelle für unzählige Hochleistungssportler, vielen wurde und wird hier exzellent geholfen, deshalb schwören sie auf diese Adresse. „Ich habe Heinrich bisher als seriösen Sportmediziner kennen gelernt“, sagt zum Beispiel Linus Gerdemann gestern, beim Radrennen „Rund um den Henninger Turm“. Er ist einer der Fahrer aus der jungen T-Mobile-Mannschaft.

Andererseits fand man bei Heinrich 2001 beim Giro d’Italia Koffein und Cortison. Der Sportarzt begründete den ungewöhnlichen Besitz mit Eigenbedarf. 1999 stellte sich heraus, dass zum Gepäck des Team Telekom plötzlich auch Handzentrifugen gehörten. Die dienten zur Wettkampf-Vorbereitung, sagte Heinrich. Der frühere Schweizer Nationaltrainer Paul Köchli dagegen hatte den Verdacht, dass die Zentrifugen zur Manipulation mit Epo eingesetzt würden. Bewiesen ist ein Epo-Missbrauch von Telekom bis heute nicht, aber es bleiben seltsame Eindrücke. Etwa vom Freiburger Mediziner Georg Huber, Ex-Verbandsarzt beim Bund Deutscher Radfahrer und 2006 Leitender Olympiaarzt in Turin, der 2003 in der „Welt“ erklärte: „Es ist nicht erforscht, ob Epo oder Anabolika Spätfolgen hinterlassen.“ Wissenschaftliche Literatur dazu gibt es genügend.

Klar in Sachen Doping haben sich die Freiburger Sportärzte Joseph Keul und Armin Klümper positioniert. Der langjährige Leichtathletik- und Radsport-Verbandsarzt Keul versorgte in den Siebzigerjahren den Hammerwerfer Uwe Beyer mit Anabolika. Er betrieb Testosteronforschung und erklärte stolz, dass er mittelmäßige Gewichtheber zu Spitzensportlern entwickelt habe. Keul forderte öffentlich die Freigabe von Anabolika, um einer „missbräuchlichen“ Anwendung von Athleten vorzubeugen.

Eine besondere Reizfigur war Armin Klümper, Keuls Intimfeind. Der Orthopäde galt für viele Topsportler als Halbgott. Aber Klümper hatte dem Hammerwerfer Walter Schmitt auch Anabolika gegeben und 1977 öffentlich erklärt: „Auch bei einem Anabolika-Verbot fühle ich mich weiter verpflichtet, den Sportlern zu helfen und anabole Steroide zu verabreichen, wenn der Athlet es unbedingt will.“ Auch die 1987 qualvoll gestorbene Siebenkämpferin Birgit Dressel erhielt von Klümper Dopingmittel.

Die Heidelberger Dopingexperten Franke und Gerhard Treutlein haben Klümpers und Keuls Arbeit akribisch verfolgt und öffentlich angeklagt. Und Treutlein sagt nach jahrelangem Anti-Doping-Kampf: „Die wirksamste Hilfe ist die Präventation.“ Der 66-Jährige hat für die Deutsche Sportjugend umfangreiches Material zur Doping-Vorbeugung erstellt. Der Praxistest soll mit dem Bund Deutscher Radfahrer erprobt werden.

Treutlein hat auch mit großer Sorgfalt die Todesanzeige ausgeschnitten, die das Team Telekom am 26. Juli 2000 zum Ableben von Keul in der FAZ veröffentlichte. Besonders aufmerksam registrierte er den Satz: „Durch sein Engagement für einen sauberen, fairen und das heißt dopingfreien Sport hat er (...) in der gesamten Welt des Sports Zeichen gesetzt und Impulse gegeben.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar