Sport : Doping: Baumann darf 3000 Meter laufen

Robert Hartmann

Dieter Baumann darf heute bei den Deutschen Hallenmeisterschaften an den Start des 3000-m-Laufs gehen. "Ich bin froh. Wenn ich meine Startnummer habe, ist das Ding für mich gelaufen", sagte Baumann, und er fügte an: "Ich bin sehr nüchtern." Das hat er sich in den 17 Monaten, über die sich sein Fall schon hinzieht, angewöhnen müssen. Inzwischen blicken nur noch ein paar ausgewiesene Rechtsexperten durch. Selbst Helmut Digel, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) sagte während einer Pressekonferenz zur Causa Baumann: "Ich weiß, dass das nicht mehr vermittelbar ist."

Der Weltverband IAAF hatte für den Fall einer Teilnahme Baumanns damit gedroht, sämtliche Meisterschafts-Teilnehmer zu sperren. "Es gibt aber einen Präzedenzfall, in dem die IAAF nichts unternommen hat. Der US-Läufer Butch Reynolds ist trotz einer internationalen Sperre bei nationalen Meetings gestartet und wurde nicht von der IAAF belangt", sagte DLV-Vizepräsident Clemens Prokop. Digel empfahl deshalb den 700 gemeldeten Athleten, zu den Titelkämpfen anzutreten. "Im Falle eines Streites mit der IAAF gewähren wir den Athleten Rechtsbeistand und übernehmen die Kosten", sagte er.

Wichtig ist zunächst die Feststellung, dass Baumann seit dem 18. September 2000 international für zwei Jahre gesperrt ist. Durch das Schiedsgericht des Weltdachverbandes IAAF. Das hatte damals den Freispruch des DLV-Rechtsausschusses aufgehoben. Obwohl nur der Verband, aber nicht der Sportler Teil des Verfahrens war. Geurteilt wurde nach dem Grundsatz der "strict liability". Das heißt, dass der beklagte Dopingsünder gesperrt wird. Im Falle Baumanns hätte es bedeutet, dass er den oder die Täter herbei bringen musste, die ihm im Herbst 1999 das Hormon Nandrolon in zwei Zahnpastatuben gemixt hatten. Das hatte das mit drei unabhängigen Juristen besetzte DLV-Schiedsgericht am 13. Juli vorigen Jahres festgestellt. Anfang dieser Woche gelang Baumanns Anwalt Michael Lehner ein öffnender Schachzug. Er beantragte beim Rechtsausschuss eine einstweilige Verfügung für einen Start bei den Hallen-Meisterschaften. Mit dieser fuhr er dann zum Oberlandesgericht Frankfurt, wo ihm der angerufene Richter einen vollstreckbaren Titel an die Hand gab. Was DLV-Vizepräsident Prokop nicht ruhen ließ. Umgehend beauftragte er den Verbandsanwalt, den Hamburger Georg Engelbrecht, über eine Klage beim Bundesgerichtshof nachzudenken.

Von dieser Idee kam Prokop dann doch wieder ab. Aber eine Gegenvorstellung beim OLG Frankfurt wollte er doch vortragen. Der Richter befasste sich am Freitagnachmittag damit, während das DLV-Präsidium zur gleichen Zeit in einem Dortmunder Hotel tagte. Schließlich lehnte er das Begehren ab, und ordnete für den Fall, dass der DLV Baumann den Start verweigert, ein Ordnungsgeld in Höhe von 50 000 Mark an. Ersatzweise droht Ordnungshaft mit einem Tagessatz von 5000 Mark.

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