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Doping bei der Leichtathletik-WM : Kenianerinnen Zakary und Manunga vorläufig suspendiert

Kenia stellt bei der Leichtathletik-WM bisher die erfolgreichste Mannschaft - nun gibt es die ersten Doping-Verdachtsfälle im Team.

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Joyce Zakary ist die kenianische Rekordhalterin über 400 Meter.
Joyce Zakary ist die kenianische Rekordhalterin über 400 Meter.Foto: rtr

Es gibt ein offizielles Internetvideo des Leichtathletik-Weltverbands IAAF von Joyce Zakary. In dem kurzen Film hat die 29-Jährige bei der WM in Peking am Montag gerade im Vorlauf den kenianischen Rekord über 400 Meter verbessert. „Ich bin einfach nur glücklich. Weil ich gar nicht wusste, dass ich so schnell laufen kann“, stammelt Zakary ins Mikrofon, sie ist noch völlig außer Atem. „Ich mag die Bahn hier - sie ist sogar zu schnell.“

Die Interviewerin will wissen, ob die Kenianerin im Halbfinale noch schneller laufen könne. „Ich kann zum Halbfinale nichts sagen“, antwortet Zakary. Tags darauf suchte man die kenianische Läuferin vergeblich am Start, sie war zum Semifinale mysteriöserweise nicht angetreten. Am Mittwoch folgte die Erklärung für ihre überraschend starke Leistung und ihre Abwesenheit: Zakary ist bei einem Dopingtest aufgefallen, ebenso wie ihre kenianische Teamgefährtin Koki Manunga, die über 400 Meter im Vorlauf ausgeschieden war.

Am Mittwochmorgen chinesischer Zeit verbreitete zunächst das kenianische Internetportal „Sports News Arena“ die Nachricht von den ersten beiden Dopingfällen dieser Weltmeisterschaft. Am Abend bestätigte die IAAF die positiven Tests und suspendierte beide Sportlerinnen. Die beiden Kenianerinnen wurden demnach vor dem Beginn der WM im Pekinger Athletenhotel getestet, weitere Details teilte der Verband nicht mit. „Sport News Arena“ hatte berichtet, bei beiden Läuferinnen sei ein Mittel entdeckt worden, das zur Verschleierung von Dopingsubstanzen eingesetzt wird. Der kenianische Verband wollte die Vorwürfe zunächst weder bestätigen noch abstreiten.

Kenia stellt bei dieser WM bisher die erfolgreichste Mannschaft. Am Mittwochabend gewannen kenianische Athleten die Goldmedaillen Nummer fünf und sechs für ihr Land, mit insgesamt elf Medaillen führt die Läufernation die Länderwertung mit großem Vorsprung an. Auffallend ist dabei, dass die Afrikaner nicht mehr nur über die langen Strecken dominieren, sondern auch auf den kürzeren Distanzen Spitzenathleten stellen. So triumphierte am Dienstagabend Nicholas Brett über 400 Meter Hürden und verbesserte bei seinem Sieg einen 22 Jahre alten kenianischen Rekord um fast eine halbe Sekunde. Es war die erste WM-Medaille überhaupt für Kenia auf einer Strecke, die kürzer als 800 Meter ist.

Mehr als 30 kenianische Sportler wurden zuletzt wegen Dopings gesperrt

Die beiden Dopingfälle scheinen die jüngsten Verdächtigungen gegen kenianische Leichtathleten zu bestätigen. Die ARD und die Londoner „Sunday Times“ hatten in ihren Enthüllungen vor wenigen Wochen berichtet, unter zahlreichen verdächtigen Medaillengewinnern bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften aus den Jahren 2001 bis 2012 seien 18 Kenianer. In einem neuen Bericht warf die ARD am Dienstag dem kenianischen Verband systematische Vertuschung und Unterstützung von Doping vor. Zusätzlich zu den vielen Verdachtsfällen wurden in den vergangenen drei Jahren mehr als 30 kenianische Sportler wegen Dopings gesperrt.

Moses Kiptanui, ehemaliger Weltklasseläufer und dreimaliger Weltmeister über 3000 Meter Hindernis, sagte in dieser Woche der französischen Sportzeitung „L’Équipe“, das Problem in Kenia sei die große Zahl der ehrgeizigen Athleten. „Heutzutage bekommen nur die allerbesten von ihnen die Chance, ins Ausland zu gehen und Geld zu verdienen“, sagte Kiptanui. „Deshalb sind sie bereit, alles dafür zu tun. Auch zu dopen.“

Am Ende des IAAF-Videos wird Joyce Zakary gefragt, ob die neue Vielzahl der starken Kenianer auf den kurzen Strecken bedeute, das Land werde jetzt auch im Sprint dominieren. „Ja, ich glaube schon“, antwortet Zakary. Zumindest in ihrem Fall scheint dieses Ansinnen vorerst gestoppt zu sein. Ob die beiden Dopingfälle auch beim Weltverband zu einem Umdenken führen, bleibt abzuwarten. Am Mittwochabend reagierte die IAAF erst einmal so, wie man es von ihr gewohnt ist: Sie löschte das Video-Interview.

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