Sport : Doping: Bemühte Würde, Schnoddrigkeit

Frank Bachner

War es wirklich so schlimm? War die Debatte so langweilig, dass man schon außerhalb des Plenarsaals, aber noch direkt am Eingang, einschlief? Dabei war es jetzt erst 22 Uhr, eigentlich sollte die Diskussion um die Doping-Opfer der DDR im Bundestag doch laut Tagesordnung erst um 0 Uhr 40 beginnen. Aber der Saaldiener schlief ja nicht wirklich, das sah nur so aus. Er hatte sich bloß auf seinem Stuhl lang ausgestreckt und blinzelte müde den Besuchern entgegen.

Hinter ihm, hinter der Glasfront debattierten sie. Sie versuchten dabei, Würde zu zeigen und Mitgefühl zu transportieren. Keiner griff den anderen richtig an, es ging ja schließlich um ein ernstes Thema. Dafür wurde viel über Moral gesprochen und die Pflicht zur Hilfe, und Klaus Riegert von der CDU bedauerte, dass seine Fraktion nicht früher über diese moralische Verpflichtung gesprochen hatte, und es hörte sich sogar ehrlich an. Aber wie soll man wirklich eine Stimmung erzeugen, in der die Würde spürbar wird und das Mitgefühl greifbar, wenn hinter rund 15 Abgeordneten gähnend leere Sitzreihen klaffen und viel stärker das Gefühl aufkommt, dass die Putzfrauen bestimmt schon ungeduldig vor der Tür stehen. Und wenn Klaus Kinkel, sportpolitischer Sprecher der FDP, vor allem ein Gefühl transportiert: Schnoddrigkeit. "Die Betroffenen erwarten, dass wir etwas machen", sagte er. Und: "Das kostet etwas Geld. Aber ich finde, da sollte man etwas machen." Er sagte es in jenem Tonfall, mit dem man einem Bettler mit zwei Worthülsen fünf Mark in den speckigen Hut legt. Dann steckte er die Hände in die Hosentasche und ging zu seinem Platz. Er hatte seine Pflicht getan.

Alle taten ihre Pflicht, alle Redner, aus fast allen Fraktionen. Man muss helfen, sagten sie, man solle einen Fonds mit Geld füllen, aber natürlich müssten auch Wirtschaft und Sportverbände spenden. Wenigstens redeten sie nicht so spät. Vor den Sportpolitikern hatten diverse Redner ihre Beiträge zu Protokoll gegeben, deshalb.

Auf der Zuschauertribüne saßen Ines Geipel und Birgit Boese, zwei Dopingopfer, die rätseln durften, was diese Herz-Schmerz-Debatte nun konkret bedeutet. Boese sagte: "Wir können die Politiker nun bei ihren eigenen Worten packen." Nur die Worte von Gustav-Adolf Schur, dem DDR-Radsportidol, müssen sie nachlesen. Der PDS-Abgeordnete Schur gab seinen Beitrag zu Protokoll. Und Boese sagte: "Schade, dass er nicht den Mumm hat, hier öffentlich zu reden."

0 Kommentare

Neuester Kommentar