Sport : Doping? Blackout? Vergiftung?

Der positive Dopingtest bei Schleck gibt Rätsel auf.

von
Ich doch nicht! Fränk Schleck bestreitet weiterhin, gedopt zu haben. Foto: dapd
Ich doch nicht! Fränk Schleck bestreitet weiterhin, gedopt zu haben. Foto: dapdFoto: dapd

Brive-la-Gaillarde - Nun ist also auch die B-Probe positiv. Im Körper des Luxemburger Radprofis Fränk Schleck fanden sich Spuren des Diuretikums Xipamid. Und die hätten sich dort nur befinden dürfen, wenn Schleck an Krankheiten, die gewöhnlich mit diesem Mittel behandelt werden – etwa Bluthochdruck – leiden würde und zur Behandlung eine therapeutische Ausnahmegenehmigung eingereicht hätte. Beides ist nicht der Fall. Nun droht ihm eine zweijährige Dopingsperre.

Entwässerungsmittel wie Xipamid haben zwar keine leistungssteigernde Wirkung. Im Leistungssport machen Diuretika nur zur Doping-Verschleierung Sinn. „Sie erhöhen die Menge des Urins und verringern demzufolge die Konzentration all der Substanzen, die durch die Kontrolllabore aufgefunden werden sollen“, erklärte der Pharmakologe und Doping-Experte Fritz Sörgel dem Tagesspiegel.

Ein mögliches Szenario ist also: Der letztjährige Tourdritte hat gedopt, wollte dies aber vertuschen. Weil solche Mittel nach Auskunft vom Kölner Doping-Experten Wilhelm Schänzer jedoch „sehr einfach nachzuweisen sind“, bieten sich auch andere Lesarten an. Einen „Blackout“ des Profis, also eine riesengroße Dämlichkeit ähnlich der Testosteronorgie von Floyd Landis bei der Tour de France 2006, vermutet etwa Sörgel. Schlecks Verteidigungsstrategie hingegen lautet: Vergiftung. Er sagt: „Im Moment analysieren wir Minute für Minute, was genau ich an den Tagen vor der Kontrolle gegessen und getrunken habe, wen ich traf, mit welchen Materialien ich in Kontakt kam, welche Nahrungsergänzungsmittel ich nahm.“ Weil er sich zu dieser Zeit aber in der Blase Tour de France befand und er Nahrungsmittel nur von Teammitgliedern und allenfalls dem Hotelpersonal entgegengenommen haben dürfte, richtet sich der Vergiftungsverdacht gegen genau diesen Personenkreis.

Dies bekräftigte sogar noch der luxemburgische Verbandspräsident Jean Regenwetter: „Bei all den Problemen, die das Team Radio Shack kennt, kann ich mir alles vorstellen.“ Der Pressesprecher vom Geldgeber des Teams, Flavio Becca, konterte: „Wir haben doch kein Interesse, einen unserer besten Fahrer zu verlieren.“ Das klingt auch bei all dem Ärger um nicht bezahlte Gehälter und Marginalisierung einiger Teammitglieder plausibel. Einen Dopingfall unterzuschieben, um einen Fahrer loszuwerden – das wäre selbst für die Tour de France, bei der gestern Bradley Wiggins mit einem Sieg im Zeitfahren vor der heutigen letzten Etappe die letzten Zweifel an seinem Gesamterfolg beseitigt hat, ein Novum.Tom Mustroph

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben