Sport : Doping: Das Dilemma des NOK

Frank Bachner

Man kann das Ganze natürlich auch als Spielchen betrachten. Es wäre dann die menschenverachtende Variante. Titel: Wie quält man Dopingopfer aus der DDR, viele Jahre nach deren Karriereende, in immer neuen Varianten? Auf Entschädigungen warten sie seit Jahren, Politiker tauchten ab, Sportfunktionäre erklärten sich für nicht zuständig, nur die Opfer standen da mit ihren Spätschäden.

Jetzt werden mehrere von ihnen auch noch, hochoffiziell im Report des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), als Lügnerinnen dargestellt. Das ist eine Frechheit, kompletter Unsinn, der leicht zu widerlegen ist. Richter haben festgestellt, dass die früheren DDR-Sportlerinnen Birgit Boese und Catherine Menschner gedopt waren, und Boeses Trainerin wurde deshalb verurteilt.

Trotzdem werden diese Dopingopfer verunglimpft, ausgerechnet im NOK-Report. Das Nationale Olympische Komitee, so suggeriert der Text, geht auf Distanz zur Verurteilung des DDR-Dopings. Zudem ist es nicht der erste Vorfall, bei dem der NOK-Report in zweifelhaftem Licht dasteht. Der Report konnte vor kurzem ein Treffen von NOK-Chef Tröger mit Bundeskanzler Gerhard Schröder als "sportpolitisches Gipfeltreffen nahe der Talsohle" kommentieren. Im Kanzleramt schäumte man vor Wut, und Tröger stand in peinlicher Position da.

Aber seit diesem Doping-Text in seinem eigenen Organ steht er noch viel peinlicher da. Chef Tröger wählt die bequeme Methode und schiebt dem Autor der dümmlichen Zeilen die alleinige Verantwortung zu: Diese enthielten dessen Privatmeinung, sie sei nicht automatisch die Meinung des NOK. Anzeichen, dass er in Zukunft etwas aufmerksamer die offizielle und die veröffentlichte Meinung des NOK angleichen wird, gibt es nicht. Stellt sich dann nicht die Frage, ob die Privatmeinung des Autoren nicht auch die heimliche des NOK ist, auch wenn Trögers bisherige Veröffentlichungen zu diesem Thema einen ganz anderen Eindruck suggerieren?

Um aus diesem Dilemma rauszukommen, kann es für Tröger jetzt nur eine Reaktion geben: eine Entschuldigung gegenüber den Opfern, die gerade verhöhnt wurden, und eine klare Distanzierung von diesem Artikel.

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