Doping-Debatte : Nicht ganz sauber

Wer im Radsport noch mitfahren darf, ist derzeit sehr umstritten

Mathias Klappenbach,Sebastian Moll[New York]

Von einem sauberen Image hängt im sich derzeit rapide wandelnden Radsport alles ab. Doch es gibt viele Abstufungen und Definitionen des Begriffs „sauber“. Profirennställe und Veranstalter legen ihn sehr unterschiedlich aus. So wurden in der vergangenen Woche die Teams Astana und High Road nicht zum Giro d’Italia eingeladen, am Mittwoch folgte die Nachricht, dass Astana mit dem Vorjahressieger Alberto Contador und dem Deutschen Andreas Klöden auch nicht bei der Tour de France starten darf. „Astana hat das Vertrauen der Veranstalter in den vergangenen Jahren missbraucht“, heißt es lapidar in einer Erklärung des Tour-Organisators ASO. Unter anderem war der Tour-Favorit Alexander Winokurow 2007 des Fremdbludopings überführt worden. Contador und Klöden wollen ihre gut dotierten Verträge bei Astana trotzdem erfüllen.

Durch diese Maßnahme will sich die ASO präventiv gegen Doping positionieren. Hinzu kommt, dass der Veranstalter mit der Tour und seinen anderen Rennen nicht mehr an der Pro-Tour-Serie des Weltverbandes UCI teilnimmt. Der Ausschluss von Astana ist auch eine weitere Aktion im schon lange schwelenden Machtkampf mit der UCI, die Astana eine Lizenz gegeben hat. In diesem Zusammenhang verwundert es fast ein bisschen, dass im Gegensatz zum Giro d’Italia das T-Mobile-Nachfolgeteam High Road bei der Tour de France starten darf.

Dessen Besitzer Bob Stapleton ist optimistisch, obwohl ihm sein Engament im Profi-Radsport bislang nur Ärger gebracht hat. Als Retter des T-Mobile-Teams nach der Jan-Ullrich-Affäre wurde er zu Beginn des vergangenen Jahres vom Bonner Mobilfunk-Konzern dazu geholt. Er sollte die Mannschaft umdrehen, sauberen, glaubhaften und trotzdem erfolgreichen Radsport bieten. Doch das Team zerbröselte ihm wegen immer neuer Enthüllungen aus der Vergangenheit zwischen den Fingern, Sponsor T-Mobile stieg schließlich aus. Der kalifornische Multimillionär steht bislang noch ohne Titelsponsor da und subventioniert sein Team mutmaßlich aus eigener Tasche.. „Für mich war die Frage, ob ich das Leben von Leuten versauen kann, die nichts falsch gemacht haben“, sagte Stapleton dem Internatanbieter cyclingnews.com. „Wenn ich im November den Laden dicht gemacht hätte, dann wären die meisten Fahrer und Angestellten nicht mehr untergekommen und ihre Karriere hätte sich nie mehr erholt.“

Sauberen Sport will Stapleton durch ein Selbstkontrollprogramm garantieren, das im Radsport seinesgleichen sucht. Das kalifornische Labor Agency for Cycling Ethics (ACE) erstellt mithilfe fortlaufender Tests Blut- und Urinprofile der Fahrer, die Mannschaft kann auf etwaige Unregelmäßigkeiten sofort reagieren.

Alles dreht sich bei Stapleton um die Zukunft, von den Gespenstern der Vergangenheit hat er die Nase voll. Sagt er jedenfalls. Ganz so nachdrücklich, wie er das betont, treibt er sie aber dann auch wieder nicht aus. Da ist etwa der Amerikaner George Hincapie, den er schon zu T-Mobile geholt hatte und der auch bei High Road wieder dabei ist. Hincapie war bei allen sieben Tour-Siegen von Lance Armstrong dessen wichtigster Helfer und engster Vertrauter.

Auch was die Agency for Cycling Ethics angeht, muß sich Stapleton Fragen gefallen lassen. Mit-Geschäftsführer des Labors ist der Chemiker Paul Scott. Scott fungierte im Dopingprozess des gedopten Tour-Siegers Floyd Landis als Experte der Verteidigung. High Road gilt aber zumindest für die ASO als sauberes Team und darf an deren Frühjahrsrennen wie der Fernfahrt Paris-Nizza und bei der Tour teilnehmen. Stapleton hat also Grund, optimistisch zu sein. Das war der Kalifornier allerdings schon immer.

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