Sport : Doping: Die Party geht weiter

Ein kurzes Lächeln, ein weiter Satz - zwei Tage nach dem Beginn des Doping-Dramas um ihren Ehemann C. J. Hunter kehrte Amerikas Superstar Marion Jones in die olympische Arena zurück und tat so, als sei nichts Außergewöhnliches geschehen. Unbeeindruckt von den Schlagzeilen (Los Angeles Times: "Macht die Flamme aus"), trabte die 24-Jährige über 200 m in lockeren 22,50 Sekunden ins Halbfinale, kurz danach sprang sie als Dritte hinter Heike Drechsler mit dem ersten Weitsprung-Versuch (6,78 m) ins Finale.

100 000 Zuschauer im Stadion Australia bekamen die coole Aktion gar nicht mit und staunten über Nils Schumann. Tief drunten in den Katakomben der Riesen-Arena gab Jones ihrer Rivalin Heike Drechsler einen freundlichen Klaps. "Sie wirkt locker und leicht wie immer. Die ist psychisch absolut nicht angeschlagen", sagt Heike Drechsler. Dabei kennt die US-Sprinterin das Thema Doping gut. Als 16-Jährige wurde sie für vier Jahre gesperrt, weil sie bei einem Doping-Test nicht auffindbar war. Ihr Anwalt Johnny Cochrane, der auch den ehemaligen Footballstar O. J. Simpson verteidigt hatte, half ihr damals aus der Patsche. Er erklärte, Jones habe die Ankündigung zur Dopingprobe nie erhalten. Jones durfte weiter laufen. Drei Jahre später lernte sie C. J. Hunter kennen.

Viele hatten prophezeit, Jones werde auf dem Weg zu fünfmal Gold (100 m, 200 m, Weitsprung, zwei Staffeln) an der Doping-Affäre ihres Ehemanns zerbrechen. "Der Vorlauf über 200 m war das schwerste Rennen meines Lebens", gestand die Olympiasiegerin über 100 m. Sie werde sich über ihren Mann nicht mehr äußern. "Ich konzentriere mich nur noch auf den Sport".

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