Sport : Doping: Ein Liebling plädiert: unschuldig!

Hartmut Moheit

Große Freude empfindet Andreas Kappes in letzter Zeit nicht, wenn er seine Kontoauszüge durchblättert. Dabei ist er ganz gut im Geschäft. "Aber die Gage von einem Sechstagerennen ist allein für die Anwaltskosten draufgegangen", sagt der Kölner Radprofi. "Vier Sechstagerennen sind mir durch die Lappen gegangen. Das bedeutet einen sechsstelligen Einnahme-Verlust", erzählt Kappes. "Und dann kommt noch die schwere Zeit für meine Familie hinzu."

Der Grund für die schwierige Situation, in der sich der Berliner Publikumsliebling derzeit befindet, ist sein positiver Dopingbefund vom Oktober vergangenen Jahres. "A- und B-Probe war positiv, damit war auch mein Vertrag beim Team Agro Adler erloschen", erzählt der 22-malige Sechstagesieger. Seine Stimme klingt emotionslos. So spricht, wer von seiner Unschuld überzeugt ist. Ein Rechtsanwalt hat nachgewiesen, dass Kappes unwissentlich in die Falle getappt war, als ihm die Einnahme des Anabolikums Nandrolon bei den Deutschen Bahn-Meisterschaften nachgewiesen worden war. Ein Nahrungsergänzungsmittel war nicht korrekt ausgezeichnet. Er denkt an eine Schadenersatzklage gegen den Hersteller. Und doch gibt es in diesem Fall ein kleines Problem mit der Glaubwürdigkeit: Andreas Kappes wurde nämlich schon einmal positiv getestet. Das war 1997, als er Deutscher Meister im Punktefahren wurde.

Die Meinungen über seinen Start im Velodrom sind zweigeteilt. Kappes verwundert das nicht. Er erzählt von den vielen Rennfahrer-Kollegen, die ihn als Opfer sehen. Es sind vor allem Funktionäre, die gegen seinen Start im Velodrom eingestellt sind. Selbst das Präsidium des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) hatte Einspruch gegen ein Urteil des Berliner Sportgerichts eingelegt, der Kappes den Start an der Landsberger Allee ermöglichte. Wohl in erster Linie auch, um Flagge im Antidopingkampf zu zeigen. Das könnte sich Ende Februar erledigt haben. Dann wird die Entscheidung des BDR-Rechtsausschusses erwartet, und es spricht einiges dafür, dass Kappes freigesprochen wird. Tests mit Probanden, die sich der von Kappes benutzten Nahrungsergänzungen bedienten, haben ähnliche Nandrolon-Werte ergeben.

Wie auch immer die Sache ausgeht - Kappes weiß, dass er den Schaden nicht mehr vollends abwenden kann. Dafür ist es zu spät. Zwar hat er vor Weihnachten einen neuen Vertrag bei den Agro Adlern unterschrieben, doch der wird ihm 50 Prozent weniger an Geld einbringen als der alte. Egal, sagt Kappes, "ich liebe meinen Sport". Und das Berliner Publikum liebt ihn: Als er in der Auftaktnacht mit einem gewaltigen Schlussspurt das Derny-Rennen gewann, stand die Halle Kopf. Kappes spürt die Sympathie, und deshalb hat er sich für Berlin etwas Besonderes vorgenommen: "Meine Frau meint, dass ich ein wenig freundlicher dreinschauen soll. Na ja, ich werde mich bemühen." Wer den auf der Bahn stets verbissenen Kappes kennt, der weiß, wie schwer ihm das fällt.

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