Sport : Doping: Fahnder befürchten Stillstand ohne ein Gesetz

Friedhard Teuffel

Berlin - Nach dem gescheiterten Vorhaben, den Besitz von Dopingmitteln per Gesetz zu verbieten, befürchtet die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) einen Stillstand im Kampf gegen den Betrug. „Es ist eine Verhärtung der Fronten eingetreten“, sagte Nada-Geschäftsführer Roland Augustin. „Es geht darum, kleine Lücken gegen Doping zu schließen. Diese Lücken kann man nur schließen, wenn man den Besitz strafrechtlichtlich verfolgt“, sagte er. Innerhalb des Sports hatte es einen heftigen Streit um die Besitzstrafbarkeit gegeben. In dieser Woche teilte das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit, dass der DOSB eine solche gesetzliche Regelung nicht wolle. Schäuble akzeptierte das. Gegen den Sport will er sich nicht durchsetzen.

Im Sport wird es auch keine Mehrheit für eine gesetzliche Bestrafung des Dopingmittelbesitzes mehr geben. Denn die Landessportbünde, die mit den Fachverbänden die Mitgliederversammlung des DOSB bilden, hätten sich am Wochenende in Hamburg „einstimmig“ an die Seite des DOSB-Präsidiums gestellt, wie Rolf Müller erklärte, der Präsident des hessischen Landessportbundes. Als Befürworter der Besitzstrafbarkeit bleiben nun unter anderem einige Fachverbände wie der Deutsche Leichtathletik-Verband, die Bundestagsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen – und die Nada.

Nada-Chef Augustin war auch der Einzige, der in einer Expertenkommission für die Besitzstrafbarkeit stimmte. Die Kommission war vom DOSB-Präsidium berufen worden. In ihrem Bericht fand sich auch ein Satz, wonach ein Anti-Doping-Gesetz ein Standortnachteil für Deutschland wäre, weil es ausländische Athleten abschrecken könnte. Dieser Satz wurde vom DOSB entfernt, allerdings erst, nachdem der Bericht schon dem Bundesinnenminister zugegangen war. Augustin sagte dazu: „Es ist bezeichnend, wenn man solche Argumente benutzt.“

Augustin glaubt, dass die Diskussion über die Besitzstrafbarkeit nach einiger Zeit neu geführt wird, denn die Strafverfolgung von dopenden Athleten sei ein effizientes Mittel: „Was macht es denn für einen Sinn, Wachstumshormon oder Anabolika mit sich zu führen? Das tut man doch nur, um damit zu handeln oder es zu konsumieren. Und wenn ich es konsumiere, habe ich mich längst vom Regelwerk entfernt.“

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