Doping im Fußball : Die früheren Athleten sind überrascht

Ehemalige Fußball-Profis vom VfB Stuttgart weisen die Doping-Vorwürfe zurück. Die Freiburger Kommission betont die flächendeckenden Strukturen.

Helmut Roleder spielte lange für den VfB Stuttgart - nun weist er Doping-Vorwürfe zurück.
Helmut Roleder spielte lange für den VfB Stuttgart - nun weist er Doping-Vorwürfe zurück.Foto: dpa

So deutlich wie die Anschuldigungen der Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin ausgefallen sind, so deutlich distanzieren sich nun die früheren Sportler von den Vorwürfen. Systematisches Anabolika-Doping im deutschen Profifußball weisen die Beschuldigten entschieden zurück. „Wir waren weit entfernt, über Doping nachzudenken“, versicherte der ehemalige Stuttgarter Torwart Helmut Roleder. „Ich kann den VfB von irgendwelchen Doping-Geschichten absolut freisprechen.“

Erkenntnissen der Freiburger Untersuchungskommission zufolge hat in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren Anabolika-Doping beim Bundesligisten VfB „in größerem Umfang“ sowie in kleinerem Rahmen
beim damaligen Zweitligisten SC Freiburg eine Rolle gespielt. Beide Vereine distanzierten sich klar von möglichen Doping-Praktiken, die in Verbindung mit dem früheren Freiburger Sportmediziners Armin Klümper erfolgt sein sollen.

Bei Klümper waren viele Profis des VfB Stuttgart in Behandlung. „Doping war bei uns in der Mannschaft niemals ein Thema. Ich habe es so in Erinnerung, es ist ja schon einige Jahre her, dass Professor Klümper ein anerkannter Sportmediziner war, der auch von seinen Behandlungsmethoden vielleicht etwas progressiver war als die anderen“, erzählte Roleder, der bei Klümper etwa wegen Meniskusproblemen behandelt wurde. „Für mich war Klümper jemand, der als anerkannter Sportmediziner gesucht wurde. Da ging es aber nur um Diagnostik und Behandlung“, erläuterte Roleder, der von 1972 bis 1987 beim VfB aktiv war. „Von Doping, auch innerhalb der Mannschaft, war wirklich nie die Rede.“

Laut der Freiburger Kommission soll auch im Bund Deutscher Radfahrer (BDR) zwischen 1975 und etwa 1980 in fast flächendeckender Manier, unter anderem auf Klümpers Veranlassung, mit anabolen Steroiden gedopt worden sein. „Dieses Doping wurde, wie hier erstmals bewiesen werden kann, auch vom BDR aus einem eigenen 'Ärzteplan' finanziert“, heißt es. Der Radverband weist dies zurück, ebenso überrascht von den Vorwürfen zeigte sich der frühere deutsche Radstar Dietrich Thurau. „Davon weiß ich nichts. Als ich 1974 bei den Amateuren die WM in Montreal gefahren bin, war es kein Thema. Da sind wir nur mit Wasser gefahren“, beteuerte Thurau.

Die Kommission wies in ihrem Bericht ausdrücklich daraufhin, dass „eine Zuordnung von Medikationen an einzelne, konkret zu benennende Spieler nach Auswertung der Akten der Staatsanwaltschaft Freiburg nicht möglich“ sei. Zumindest könnten aber die Strukturen des Dopings im Fußball unter starker Mitwirkung Klümpers, der mittlerweile zurückgezogen in Südafrika lebt, belegt werden. Das Gremium betonte, dass dem früheren Sportmediziner erst „durch politische Kreise in Stadt, Land und auf Bundesebene sowie unter Einflussnahme des organisierten Wettkampfsports die entsprechend günstigen Arbeitsbedingungen geschaffen“ werden konnten. (dpa)

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