Doping im Fußball : Die Zweifel der Vergangenheit

Fußball hat sich lange als sauberer Sport inszeniert, Doping wurde ignoriert oder kleingeredet. Das soll sich jetzt ändern, die Fifa will jeden Verdacht ausräumen. Das wird alles andere als leicht.

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Er gilt als einer der größten Fußballer aller Zeiten. Doch leider war Diego Maradona auch groß bei Skandalen dabei.Weitere Bilder anzeigen
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22.02.2013 13:31Er gilt als einer der größten Fußballer aller Zeiten. Doch leider war Diego Maradona auch groß bei Skandalen dabei.

In dem einen Säckchen befinden sich Kärtchen mit roten Rückennummern, in dem anderen Sack Kärtchen mit schwarzen Nummern. Alles läuft unter Augenzeugen ab, aber trotzdem geheim. Der Dopingbeauftragte zieht in der Halbzeitpause jeweils zwei rote und zwei schwarze Nummern, sie landen diskret in einem großen Briefumschlag, der anschließend verschlossen wird. Jeder der vier anwesenden Herren bestätigt auf dem Umschlag ein sachgemäßes Auswahlverfahren. In der 75. Spielminute treffen sich der Kontrolleur, sein Assistent sowie die Dopingbeauftragten der beiden Mannschaften am Spielfeldrand wieder. Auf Höhe der Mittellinie wird der Umschlag geöffnet. Jetzt steht namentlich fest, welche vier Bundesligaspieler zur Dopingprobe müssen. Zwei „Chaperon“ genannte Aufpasser lassen die betreffenden Profis ab jetzt nicht mehr aus den Augen und geleiten sie nach Abpfiff auf direktem Weg in den Dopingkontrollraum.

So zügig und professionell laufen Dopingkontrollen im deutschen Profifußball ab. Insgesamt aber hat sich der Fußball im Kampf gegen unerlaubte leistungssteigernde Mittel in der Vergangenheit nicht hervorgetan. Zuletzt provozierten Enthüllungen in Spanien Aufsehen. Im Prozess gegen Dopingarzt Eufemiano Fuentes wurde bekannt, dass Erstligist Real Sociedad San Sebastian von 2001 bis 2005 Fuentes mehr als 350 000 Euro für Doping-Behandlungen überwiesen hatte. Längst gilt: Wo der Ball auch rollt, der Verdacht kickt mit. Das soll sich nun ändern.

Unter dem Druck der Welt-Anti-Doping-Behörde Wada will die Fifa in diesem Sommer beim Confed-Cup einen Blutpass einführen. Nach Jahrzehnten, in denen viele Funktionäre die Augen vor Doping verschlossen haben, sollen kontinuierliche Tests Einzug halten und Blutprofile der Spitzenspieler angelegt werden. Fifa-Präsident Joseph Blatter kündigte an, „weiter gegen diese ernsthafte Bedrohung zu kämpfen“ und 2014 im WM-Jahr 2,5 Millionen Dollar in den Kampf gegen Doping zu investieren. Der Fußball will den Beweis antreten, dass er ein sauberer Sport ist.

Das wird nicht leicht. Schon die deutschen Helden von Bern müssen mit dem Vorwurf leben, sie hätten ihrem wundersamen Sieg im WM-Finale 1954 über Ungarn mit wundersamen Mittelchen nachgeholfen. Albert Sing, damals Quartiermacher der Deutschen, hatte in einem unbedachten Augenblick von Vitaminspritzen erzählt. Das war ziemlich nahe dran am Vorwurf von Ungarns Kapitän Ferenc Puskas, der 1957 in einem Interview einen ersten Verdacht erhoben hatte.

Da war auch diese seltsame Gelbsucht-Epidemie, die so vielen Berner Helden zu schaffen machte und in deren Folge der Frankfurter Nationalspieler Richard Herrmann an einer Leberzirrhose starb, mit gerade 39 Jahren. Neuere Untersuchungen legen die Vermutung nahe, den Deutschen seien damals Amphetamine verabreicht worden. „Alles andere macht wenig Sinn“, sagt der Publizist Erik Eggers. „Vitamin C konnte man damals auch schon oral verabreichen, dazu brauchte man keine Spritzen.“

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