Sport : Doping in der DDR: Kommentar: Dem Sport auf die Sprünge helfen

Beim Thema Doping in der DDR hat der vereinigte deutsche Sport versagt. Zwar tun sich deutsche Sportverbände inzwischen durch scharfe Trainingskontrollen hervor - doch bei der Aufarbeitung der Vergangenheit haben sie Probleme. Mit schlechtem Beispiel geht bisher das Nationale Olympische Komitee (NOK) voran. So erklärte NOK-Chef Walther Tröger, dass sich das Komitee nicht unbedingt an einem Entschädigungsfonds für DDR-Dopingopfer beteiligen wolle. Begründung: Das NOK sei nicht Rechtsnachfolger des NOK der DDR, es habe also keine juristische Verpflichtung.

Das ist zwar richtig. Doch wie sieht es mit der moralischen Verpflichtung aus? Dopingopfer wurden im offiziellen Mitteilungsblatt "NOK-Report" sogar als "umstrittener Privatzirkel" angegriffen. Nun hat das NOK eine Affäre im eigenen Haus. Sein Mitglied Harold Tünnemann hat zu DDR-Zeiten offenbar eine Richtlinie zum Dopen ostdeutscher Ringer unterschrieben. Die bisherige Reaktion des NOK: abwarten. Klare Worte zum DDR-Staatsdoping fehlen, die Entschädigung der Opfer lässt auf sich warten. Während sonst stets die Autonomie des Sports gepredigt wird, überlässt der Sport dieses Thema offenbar nur zu gern der Politik.

Am heutigen Mittwoch findet im Bundestag eine Anhörung zur Entschädigungsfrage statt. Union und Grüne wollen dabei auf die Einrichtung eines Hilfsfonds für DDR-Dopingopfer dringen. Die SPD muss sich noch positionieren. Bislang waren von ihr eher vage Ankündigungen zu hören.

Durch die neue Affäre scheint sich bei den Parlamentariern jetzt der Wille zum Handeln durchzusetzen. In Koalitionskreisen wird bereits nach Finanzquellen für einen Hilfsfonds gesucht. Gerade mal zwei Millionen Mark wären nach Einschätzung von Sportpolitikern nötig, um wenigstens den schwer benachteiligten Dopingopfern zu helfen. Für eine umfassende Entschädigung aller Geschädigten reicht das nicht. Aber als moralisches Zeichen ist es allemal wichtig. Und als Signal für die zögerlichen Sportverbände.

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