Sport : Doping in der DDR: Von den Opfern ferngehalten

Robert Hartmann

Berlin. Elf Jahre hat es gedauert, bis sich der Sportausschuss des Deutschen Bundestages unter Vorsitz von Friedhelm-Julius Beucher (SPD) in einer auf vier Stunden anberaumten Sachverständigen-Diskussion mit den Doping-Opfern der DDR befasst. Auf Antrag der CDU/CSU-Fraktion soll heute in Berlin über die Einrichtung eines Fonds diskutiert werden. Während die Politiker den Handlungsbedarf erkannt haben, halten sich die offiziellen Repräsentanten des deutschen Sports von den Betroffenen immer noch fern. Nicht einmal zu einer Tasse Kaffee hat man sich zusammengesetzt. Ihre Kenntnisse beruhen weitgehend auf der Zeitungslektüre über die zahlreichen Dopingprozesse.

Rechtzeitig aber meldete sich die bisher zum Doping-Thema stumm gebliebene "Gemeinschaft Deutscher Olympiateilnehmer" in einem mahnenden Brief an Beucher zu Wort. Darin bezweifelt ihr Präsident Klaus Katzur, dass der Kreis der im Ausschuss zu Wort kommenden Sachverständigen ausgewogen sei. Die Mehrheit kenne "den DDR-Leistungssport nicht aus eigenem Erleben", sie müsse "als befangen angesehen werden". Vielmehr sollten Spitzensportler der DDR zu Wort kommen, "die den Rückblick auf ihre Karriere nicht mit nachträglichen Ansprüchen verbinden". Und solche Persönlichkeiten, die "nach dem Zusammenschluss in das vereinigte Nationale Olympische Komitee für Deutschland gewählt wurden". Diese Forderung wurde konterkariert durch die jüngste Entdeckung des Potsdamer Sporthistorikers Gieselher Spitzer. In den Stasi-Unterlagen spürte er eine DDR-Dopingrichtlinie auf - mit der Unterschrift des Leipzigers Harold Tünnemann auf, einesMitglieds des vereinigten Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland.

Dass es seit Frühjahr 1999 einen Verein Doping-Opfer-Hilfe überhaupt gibt, ist einer privaten Initiative zu verdanken. Ihr Vorsitzender, der Sportarzt Klaus Zöllig, steht ebenfalls auf der Sachverständigenliste. Er möchte eine breit angelegte Felduntersuchung angestoßen sehen: "Was ist an Schäden da?" Das wäre eine Grundlage für Entschädigungen, die bislang nur äußerst spärlich meist aus den Bußgeldern für überführte Trainer flossen, die Kinder und Jugendliche dopten. Um sich zu finanzieren, möchte die Doping-Opfer-Hilfe die Fördermitgliedschaft einführen. Zöllig hofft immer noch: "Vielleicht kriegen wir dazu ja die großen Sportverbände."

0 Kommentare

Neuester Kommentar