Doping in Russland : Die Macht von Sportminister Witali Mutko schwindet

Der russische Sportminister ist ein Kumpel Wladimir Putins – und könnte doch über das Staatsdoping stürzen.

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Witali Mutko sieht Russlands Sport als Opfer einer Verschwörung.
Witali Mutko sieht Russlands Sport als Opfer einer Verschwörung.Foto: dpa

„Heute Abend gehen wir einen trinken!“ Wenn Witali Mutko gute Laune hat, dann fallen bei Russlands Sportminister solche Sätze. Der stämmige 57-Jährige, stets gut gebräunt und mit Haaren wie aufgesprüht, ist dann ganz jovialer Lebemann. Auch wenn sein Englisch bei solchen Einladungen holprig klingt, Talent zur Kumpelei hat er fraglos.

Mutko hat derzeit aber schlechte Laune. Die Sportnation Russland sitzt auf der Anklagebank. An diesem Donnerstag urteilt der Internationale Sportgerichtshof darüber, ob russische Leichtathleten von Olympia ausgeschlossen sind. Das Startverbot könnte sich auf alle Russen in Rio ausdehnen. Mutko ist von den Sommerspielen bereits ausgeladen. Vier Mitarbeiter hat er nach dem Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur entlassen, die Russland Staatsdoping vorwirft. Mutkos Stellvertreter ist freigestellt, aber der Minister bleibt – gestützt von seinem Chef Wladimir Putin. Obwohl der Bericht Mutko als Mitwisser nennt und er angeblich die Dopingprobe eines Fußballers verschwinden ließ.

Mutko entstammt Putins Klüngel

Sein Talent zur Kumpanei hat Mutko mächtig gemacht. Geboren in einem Provinzdorf, stieg der promovierte Ökonom 1992 mit Anfang 30 zum Vizebürgermeister in St. Petersburg auf. Amtskollege damals: Wladimir Putin. Dem Klüngel dort entstammt ein großer Teil der heutigen Elite in Russland.

Mutko hielt den Kontakt zur Politik, verlegte sich aber auf seinen Lieblingssport. Der Hobbyfußballer formte Zenit St. Petersburg vom Zweitligisten zum Europapokalsieger, dank des Sponsors Gazprom – und dank Spielmanipulationen, heißt es. Mutko wurde Fußballverbandschef und 2008 russischer Minister für Sport, Tourismus und Jugendpolitik. Hinzu kommen Führungsämter wie im Weltfußballverband Fifa, der nun gegen ihn ermitteln könnte. Zuvor wurde die Ämterhäufung dem Multifunktionär, trotz teils absurder Hotelspesen, nie zum Verhängnis.

Sportverbände wehren sich sonst gegen Einmischungen der Politik. In Russland gehört beides zusammen. Wobei Mutko Putin einfach nur nützlich ist. Denn er holte die Winterspiele 2014 und die Fußball-WM 2018 mit ins Land und lieferte Medaillen. Ist der Netzwerker nicht mehr nützlich, wird er zur Belastung. Bei der EM in Frankreich feuerte er gewalttätige Hooligans an. All diese Vorwürfe machen schlechte Laune: Mutko wittert wie viele Russen eine Verschwörung des Westens. Zum Trinken lädt er nun wohl kaum mehr ein.

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