Doping : Indurain hegt keinen Groll gegen Riis

Der fünffache Tour-de-France-Gewinner Miguel Indurain ist nach dem Doping-Geständnis seines Bezwingers Bjarne Riis nicht nachtragend. Tour-Chef Patrice Clerc erklärte Riis indes zur unerwünschten Person.

Madrid/Paris - "Nicht er hat mich 1996 überwältigt, sondern ich habe die Tour verloren. Ich hatte damals alles versucht, vorne zu bleiben, aber das habe ich nicht geschafft", sagte der Spanier Miguel Indurain. "Riis und viele andere waren stärker und wenn da irgendetwas irregulär lief, dann ist das nicht meine Angelegenheit." Der jetzige Tour-Chef Patrice Clerc sprach sich unterdessen gegen eine Teilnahme des CSC-Teamchefs Riis an der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt aus. Er fände es "schockierend", sollte der Däne bei der Tour dabei sein", sagte Clerc der Zeitung "L'Équipe". Riis hatte am Freitag zugegeben, mit Epo gedopt zu haben.

Indurain reagierte mit Unverständnis auf die Beichte seines einstigen Kontrahenten. "Ich verstehe nicht, warum er dieses Geständnis elf Jahre später macht. Aber er ist alt genug und wird besser wissen als alle anderen, warum er das tat", sagte er. Das Geständnis von Riis helfe dem Radsport nicht. Bei der Tour 1996 war Indurain von den beiden ehemaligen Telekom-Fahrern Riis und Jan Ullrich bezwungen worden und musste nach fünf Erfolgen in Serie Riis den Tour-Sieg überlassen. Anschließend beendete Indurain überraschend seine Karriere im Alter von 32 Jahren.

"Geschichte kann man nicht neu schreiben"

Für Tour-Chef Clerc ist Riis derzeit eine persona non grata. "Beim jetzigen Stand der Dinge habe ich keine Lust, mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten", meinte er. Man könne nicht so tun, als sei nichts geschehen. Mit Blick auf Riis' Tour-Gewinn 1996 sagte er: "Geschichte kann man nicht neu schreiben, für mich jedoch gibt es für dieses Jahr keinen Sieger."

Riis hat sich indes über das Internet bei seinen Fans für die "Unterstützung" nach seinem Geständnis bedankt. Der 43 Jahre alte Besitzer der Profi-Mannschaft Team CSC schrieb, er freue sich, dass "unsere Fans in diesen schweren Zeiten zusammenstehen". Bei ihm seien viele zustimmende Mails eingegangen. In deutschen wie dänischen Medien war Riis zum Teil hart kritisiert, weil er bei seinem Doping-Geständnis keinerlei Zeichen von Reue gezeigt hatte. (tso/dpa)

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