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Doping : Jan Ullrich - Ende einer Irrfahrt

Jan Ullrich wurde zu einem Helden des Sports. Doch als Dopingvorwürfe aufkamen, erklärte er sich nicht. Nun hat ihm ein Gericht die Last abgenommen.

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Jan Ullrich 1997. Im Alter von gerade einmal 23 Jahren gewinnt er als erster Deutscher die Tour de France. Danach folgten viele Auf und Abs. Ein Blick zurück auf eine turbulente Karriere.Weitere Bilder anzeigen
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09.02.2012 11:41Jan Ullrich 1997. Im Alter von gerade einmal 23 Jahren gewinnt er als erster Deutscher die Tour de France. Danach folgten viele...

Die letzte Etappe einer großen Rad-Rundfahrt ist meist ein fröhliches Ausrollen. Der Sieger, etwa der Tour de France, trinkt schon auf dem Weg ins Ziel das erste Gläschen Sekt und darf dann auf den Champs-Elysées durchs Spalier der jubelnden Zuschauer fahren. Die letzte Etappe in der Karriere des Radfahrers Jan Ullrich besteht aus ein paar Blättern Papier. In englischer und französischer Sprache verkündet der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof Cas, dass Jan Ullrich des Dopings für schuldig befunden wurde.

Drei Juristen haben sich lange beraten, ihr Urteil immer wieder verschoben und am Ende ein klares Urteil gefällt. Es ist nicht so, dass dieses Urteil überraschend kam. Dass nicht vorher schon viele wussten, wie Ullrich seiner Kondition durch Behandlungen des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes nachgeholfen hätte. Im professionellen Radsport gehört das Manipulieren des eigenen Bluts dazu wie das Aufpumpen der Reifen. Aber bedeutend ist das Urteil allemal. Weil es etwas unwiderruflich festhält, was Jan Ullrich selbst bislang nicht zugegeben hatte. Und weil es der Endpunkt einer langen Irrfahrt ist, eines langen Abstiegs, der beinahe genauso quälend erschien wie der sportliche Aufstieg, der Ritt hinauf auf die Berge.

Mit diesem Erklimmen der Berge auf zwei Rädern hatte sich Jan Ullrich einen Platz im Herzen der Nation erkämpft. 1996 zunächst mit einem zweiten Platz beim wichtigsten Radrennen der Welt, der Tour de France. Noch ist sein Teamkapitän, der Däne Bjarne Riis, schneller.

Doch ein Jahr später leuchtet auf einmal Jan Ullrich im Gelben Trikot des Führenden im Peloton auf. Er lässt auch Riis hinter sich, der beim Zeitfahren wütend sein defektes Rad in den Straßengraben schleudert. Als Ullrich auf der 17. Etappe schwächelt, ruft ihm sein Teamkollege Udo Bölts, durch die Mikrofone vernehmbar, zu: „Quäl dich, du Sau!“ Ullrich sagt später, dass er Bölts gar nicht verstanden habe. Der Spruch wird dennoch sofort Folklore. Stolz tragen ihn manche auf T-Shirts, Bölts nennt später so auch seine Autobiografie.

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