Sport : Doping-Kontroverse: Die IAAF schlägt zurück

Jörg Wenig

Die befürchtete Konfrontation zwischen dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und der IAAF nimmt ihren Lauf. Wie der Generalsekretär des internationalen Leichtathletik-Verbandes, Istvan Gyulai, bekannt gab, werden regelkonform alle acht Athleten gesperrt, die bei den Deutschen Hallenmeisterschaften am Sonntag in Dortmund im 3000-m-Lauf gegen den von der IAAF gesperrten Dieter Baumann angetreten sind. "Das hat Gyulai dem DLV-Generalsekretär Frank Hensel telefonisch bestätigt", sagte der beim DLV für die Pressearbeit zuständige Eberhard Vollmer. "Noch liegt uns nichts Schriftliches vor, wir konnten also noch nicht offiziell reagieren."

Ein Schriftstück der IAAF wird es frühestens heute geben. Das hängt damit zusammen, dass der Präsident des Weltverbandes, Lamine Diack, gestern im Flugzeug in Richtung IAAF-Sitz nach Monte Carlo reiste. "Er kennt die Problematik, aber es wird erst am Dienstag Gespräche geben", sagte Diacks Assistent Jeewajee Isram. Noch also kann man spekulieren über die Länge der Pauschalsperre oder eine mögliche Einigung zwischen dem DLV und der IAAF. "Wir gehen davon aus, dass die IAAF von dieser Sperre abrückt. Wir werden uns für die betroffenen Athleten einsetzen", sagte Eberhard Vollmer. Er verweist auf einen parallelen Fall des früheren 400-m-Läufers Butch Reynolds (USA). Der war ebenfalls wegen eines Doping-Vergehens gesperrt, lief 1994 dennoch, aber seine Gegner blieben unbehelligt. Dagegen sprach DLV-Vizepräsident Clemens Prokop bereits von "einem Machtkampf mit der IAAF, bei dem es um die Existenz der deutschen Leichtathletik geht".

"Es gibt keine Konsequenzen gegen den DLV, weil er dem Gerichtsurteil folgen musste. Bei den Athleten ist es anders: Die Entscheidung zur Teilnahme lag in ihrer individuellen Verantwortung", sagte IAAF-Sprecher Giorgio Reineri gegenüber dem Sportinformationsdienst (sid). Besonders betroffen ist Jan Fitschen. Der Wattenscheider hatte in Dortmund Platz zwei erreicht und wurde vom DLV für die Hallen-WM Ende nächster Woche in Lissabon nominiert.

Spannend wird es schon am nächsten Sonnabend bei den Deutschen Crossmeisterschaften in Regensburg, wo eine Reihe der gesperrten Athleten laufen möchten. Starten sie unerlaubt, droht im schlimmsten Fall die nächste Seriensperre, von der dann sogar Olympiasieger Nils Schumann (LG Nike) und Europameister Damian Kallabis (SCC) betroffen sein könnten.

Währenddessen bestätigte sich, dass Dieter Baumann vom DLV nicht für die Hallen-WM nominiert wurde. Am Sonntag hatte Baumann noch gesagt: "Die Hallen-WM ist sicherlich reizvoll. Denn die Konkurrenz ist nicht so stark - und die Prämien der IAAF sind nicht schlecht!" Die Chance, dass Baumann um eine IAAF-Prämie laufen kann, ist aber offenbar gleich null. Denn bezüglich einer Startforderung Baumanns für die Hallen-WM sagte Istvan Gyulai der Deutschen Presseagentur (dpa): "Kein Gericht in Deutschland kann die IAAF dazu zwingen." Auch ein Start Baumanns bei den Deutschen Crossmeisterschaften in Regensburg scheint ausgeschlossen. "Trotz seiner Sperre hätte Baumann eine Meldung innerhalb der Frist abgeben müssen. Das hat er nicht getan. Deswegen kann er in Regensburg nicht starten", sagte Eberhard Vollmer.

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