Doping : Pechstein will Langzeittest

Claudia Pechstein setzt ihre große Gegenoffensive fort. Die wegen auffälliger Blutwerte gesperrte Eisschnelllauf-Olympiasiegerin wird bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) einen medizinischen Langzeittest über sechs Wochen beantragen.

BerlinBerlin - Claudia Pechstein setzt ihre große Gegenoffensive fort. Die wegen auffälliger Blutwerte gesperrte Eisschnelllauf-Olympiasiegerin wird bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) einen medizinischen Langzeittest über sechs Wochen beantragen. Dies kündigte Pechsteins Manager Ralf Grengel am Freitag an. Der Test soll belegen, dass die Schwankungen bei den Retikulozyten-Werten der 37-Jährigen normal sind. Pechstein will in der Berufung vor dem Internationalen Sportschiedsgerichtshof Cas gravierende Verfahrensfehler der Internationalen Eislauf-Union geltend machen, aber auch inhaltlich vorgehen. Gerade in diesem Teil hat der inszenierte Auftritt von Pechstein und zweier Experten am Donnerstag in Berlin für Beobachter Fragen offen gelassen.

Pechstein wird den Antrag bei der Nada in den nächsten Tagen stellen und davor prominente Wissenschaftler konsultieren. Sie will absichern lassen, dass keine Zweifel aufkommen können und sich dann unter verschiedenen Trainingsbedingungen testen lassen. Dazu sei sie bereit, zweimal täglich im Abstand von zwölf Stunden Urinproben abzugeben und sich alle drei Tage einer Blutprobe zu unterziehen, sagte Grengel. Die Bereitschaft dazu hatte die Berlinerin, die sogar drei Urinproben abgeben würde, bereits am Donnerstag erklärt.

Der Nada-Vorstandsvorsitzende Armin Baumert hatte am Donnerstag erklärt, die Agentur sei weder personell noch technisch noch finanziell in der Lage, eine mehrwöchige, lückenlose Überwachung einer Sportlerin durchzuführen. Der Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestags, Peter Danckert, forderte die Nada dagegen zur Hilfe auf.

Der Nürnberger Pharmakologe Fritz Sörgel pflichtete Baumert bei. „Wenn die Nada das machen würde, schafft sie einen Präzedenzfall“, sagte Sörgel, regte aber an, dass die Agentur ein Konzept entwirft. Die Aufträge müssten an entsprechende Firmen vergeben werden. Bei dem Langzeittest müsse jeglicher Verdacht auf Manipulationen ausgeschlossen werden können, forderte er.

Sörgel kritisierte, zu den „wirklich stark erhöhten“ Reti-Werten sei am Donnerstag nicht Stellung genommen worden. Ebenso wenig sei gesagt worden, warum die Werte zwei Wochen nach der WM in Hamar wieder normal gewesen seien. Die formaljuristischen Unstimmigkeiten hätten aber auch ihm nicht gefallen.

„Für mich hat sich durch die Pressekonferenz nichts Wesentliches geändert“, sagte Gerhard Ehninger, der Geschäftsführende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), der „Süddeutschen Zeitung“. „Erst hieß es geheimnisvoll, es seien medizinische Gründe - das hätte man an einem Tag beim Hämatologen klären können. Jetzt sind es plötzlich die Geräte“, fügte der Dresdner Internist und Krebsmediziner hinzu. Ehninger fügte hinzu, Pechstein habe immer wieder betont, die übrigen Blutwerte wie Hämatokrit und Hämoglobin seien normal. „Treten dann Schwankungen der Retikulozyten-Werte auf, spricht das aus meiner Sicht für eine Manipulation.“ dpa

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