Doping : Politiker will Amnestie für Dopingtrainer

Der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses Peter Danckert will Doping-Trainer, etwa aus der DDR, begnadigen - wenn sie gestehen

Friedhard Teuffel

Berlin - Der deutsche Sport ist seine Schatten noch nicht losgeworden: Trainer etwa, die vor Jahrzehnten teilweise minderjährigen Sportlern Dopingmittel gegeben haben, ob in der DDR oder in der Bundesrepublik, und die heute noch mit Sportlern arbeiten. Peter Danckert, der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag würde diese Schatten gerne vertreiben – mit einer „Art Amnestie“, auch wenn er mit diesem Wort nicht ganz glücklich ist.

Das ist einer von vielen Vorschlägen, mit denen der SPD-Abgeordnete die Sportpolitik füttert, und die er nun in einem Buch zusammengefasst hat: „Kraftmaschine Parlament. Der Sportausschuss und die Sportpolitik des Bundes“. Weil einige Schatten des Sports derzeit besonders präsent sind, stand die Debatte anlässlich der Buchvorstellung in der Parlamentarischen Gesellschaft unter der Frage: „Keine Gnade für Doper?“ Teilnehmer war auch der frühere Kugelstoßer Gerd Jacobs. Er hatte seinen damaligen Trainer Werner Goldmann beschuldigt, ihm Anabolika gegeben zu haben, was Goldmann jedoch bestreitet. „Einige Trainer sollten keine zweite Chance bekommen“, sagte Jacobs, „sie wussten genau, dass sie den Sportlern schaden.“

Jacobs war nicht der einzige Gegner seiner Position, den Danckert eingeladen hatte. Auch die Ex-Weltklasse-Sprinterin Ines Geipel, selbst Dopingopfer, sagte: „Der Begriff Amnestie ist fehl am Platz.“ Sie beobachte eher eine Amnesie bei Doping-Trainern. Und der Vorsitzende der Deutschen Sporthilfe, Werner E. Klatten, sagte: „Ein Kindergärtner, der sich an Kindern vergangen hat, sollte nicht in einem Kindergarten resozialisiert werden.“ Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff schlug in der Diskussion eine „Offenbarungsfrist“ vor, innerhalb derer sich Belastete äußern müssen.

Danckert sieht auch die Probleme seiner Amnestie-Idee: „Um die Vergangenheit aufzuarbeiten, brauchen wir Informationen.“ Aber welcher Trainer legt ein Geständnis ab, wenn er dafür an den Pranger gestellt wird? Werner Goldmann jedenfalls nicht. Er klagt gerade auf Wiedereinstellung beim Deutschen Leichtathletik-Verband. Friedhard Teuffel

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