Sport : Doping-Prozess: Eine Chronik

2. Mai 2000: Vor dem Berliner Landgericht beginnt der Prozess gegen Ewald und Höppner mit einer Überraschung: Die Kammer will jetzt alle Nebenkläger als Zeugen hören. Zuvor war gemutmaßt worden, dass das Gericht nach pauschalen Geständnissen bereits am ersten Tag zum Urteil kommt. Ewald schweigt vor Gericht.

5. Mai: Höppner legt ein Teilgeständnis ab.

9. Mai: Der Ewald-Prozess droht zu platzen: Das Gericht entscheidet auf Antrag der Verteidigung, Ewald erneut auf seine Verhandlungsfähigkeit zu untersuchen.

16. Mai: Das Prozess wird fortgesetzt. Allerdings darf täglich nur etwa zweieinhalb Stunden lang verhandelt werden.

19. Mai: Erstmals haben die Opfer das Wort.

13. Juni: Zwischen Gericht und Nebenklage kommt es zum Streit. Der Vorsitzende Richter Dirk Dickhaus kritisiert, dass Zeuginnen trotz Ladung nicht erschienen sind und rät der Nebenklage, wegen der am 2. Oktober drohenden Verjährung keine weiteren Anträge mehr zu stellen.

27. Juni: Staatsanwalt Klaus-Heinrich Debes fordert für beide Angeklagten zwei Jahre Haft auf Bewährung.

30. Juni: Rechtsanwalt Michael Lehner, der 17 der insgesamt 22 Nebenkläger vertritt, fordert für Ewald drei Jahre Gefängnis und für Höppner zweieinhalb Jahre.

4. Juli: Ewalds Verteidigung verlangt Freispruch. Höppners Verteidigung fordert für den Fall eines Schuldspruchs eine mildere Strafe als im Antrag der Staatsanwaltschaft.

18. Juli: Ewald wird zu 22 Monaten Bewährungsstrafe wegen Beihilfe zur Körperverletzung verurteilt. Höppner erhält 18 Monate auf Bewährung.

Prozesse Und Urteile

14. Oktober 1997: Es wird die erste Anklage erhoben, die sich gegen vier früheren Schwimmtrainer des SC Dynamo Berlin richtet.

25. November: Die Berliner Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen zwei DDR-Sportärzte.

10. März 1998: Beginn des "Doping-Pilotprozesses".

18. August: Beginn im sogenannten "2. Doping-Prozess" gegen drei Sportlehrer und zwei Sportärzte. Schon zwei Tage später werden in diesem Verfahren die Urteile gefällt: Drei der fünf Angeklagten werden zu Geldstrafen verurteilt.

14. Dezember: Erst nach 41 Prozesstagen endet der "Pilot-Prozess" mit Geldstrafen.

12. April 1999: Das Amtsgericht Tiergarten verhängt die höchste Geldstrafe. Dietrich Hannemann, ehemaliger Direktor des Sportmedizinischen Dienstes (SMD), wird wegen Körperverletzung zur Zahlung von 45 000 Mark verurteilt.

21. Juni: Das Amtsgericht Berlin verhängt die ersten Freiheitsstrafen wegen Dopings im DDR-Sport. Der Facharzt Dietbert Freiberg wird wegen Beihilfe zur Körperverletzung in 72 Fällen zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

9. September: Gegen Manfred Ewald und Manfred Höppner wird Anklage vor dem Berliner Landgericht wegen Beihilfe zur Körperverletzung in 142 Fällen erhoben.

22. Oktober: Egon Müller, ehemalige Generalsekretär des DDR-Schwimmverbandes, Cheftrainer Wolfgang Richter und der DTSB-Vizepräsident Horst Röder, werden zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Thomas Köhler, ebenfalls stellvertretender DTSB-Präsident, muss 26 400 Mark Geldstrafe zahlen.

12. Januar 2000: Lothar Kipke, Verbandsarzt des DDR-Schwimmsports, wird zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt.

2. Mai: Beginn des Prozesses gegen Ewald und Höppner.

18. Juli: Am 22. Verhandlungstag werden die Urteile gegen Ewald und Höppner gesprochen.

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