Sport : Doping-Prozess: Freigesprochen und doch bestraft

Ernst Podeswa

Auf den ersten Blick scheint Richard Virenque glimpflich davongekommen zu sein. Freispruch vom Vorwurf des Drogenhandels, der gegen den fünfmaligen Gewinner des Grünen Trikots für den besten Bergfahrer bei der Tour de France erhoben wurde. Die Frage, ob die französische Justiz damit Gnade vor Recht geübt hat, lässt sich damit aber nicht unbedingt bejahen.

Denn Virenque ist 31 Jahre alt. Er hat nicht mehr viel Zeit, sich den Traum vom Sieg bei der Tour zu erfüllen, dem bedeutendsten Radsport-Spektakel der Welt. Und das sich über Monate hinziehende Gerichtsverfahren hat seinem Ruf geschadet. 27 Monate beteuerte der Konkurrent von Jan Ullrich, Marco Pantani und Lance Armstrong, nie bewusst Dopingmittel eingenommen zu haben. Bis er unter dem Druck der gerichtlichen Ermittlungen und den Aussagen des Umfeldes unter Tränen gestand, ein "mitlaufendes Schaf in der Herde" gewesen zu sein.

Die Ankläger haben also nicht nur mit dem Finger gedroht und dann die Sache im Sande verlaufen lassen. Auch nicht angesichts der Tatsache, dass sich Virenque mit seinem Kampf gegen steilaufragende Berge und gnadenlose Konkurrenz in die Herzen seiner radsportvernarrten Landsleute fahren konnte. Dass Virenque nicht wie Pantani zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden ist, hängt damit zusammen, dass in Frankreich (wie auch in Deutschland) im Gegensatz zu Italien allein die Einnahme von Dopingmitteln noch kein Straftatbestand ist.

Dennoch geht Virenque nicht straffrei aus: Noch immer hat er keinen Platz in einem Profiteam für 2001 gefunden und muss mit einer sechsmonatigen Verbandssperre rechnen. Wieder ein verlorenes Jahr, wieder Verzicht auf ein kleines Vermögen.

Die Umstände des Freispruchs treffen somit Virenque ärger als die Strafen seine Helfershelfer von einst.

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