Sport : Doping-Prozess: Freispruch für Radprofi Virenque

Radprofi Richard Virenque ist im Doping-Prozess vor der 7. Strafkammer des Gerichts im nordfranzösischen Lille am Freitag freigesprochen worden. Bewährungs- und Geldstrafen gab es für die Leitung des Teams Festina, das 1998 bei der Tour de France den größten Doping-Skandal im Radsport ausgelöst hatte und dessen Kapitän Virenque war. Der belgische Ex-Festina-Betreuer Willy Voet wurde zu zehn Monaten Gefängnis auf Bewährung und 30 000 Francs (knapp 9000 Mark) Geldstrafe verurteilt. Der Ex-Sportchef von Festina, Bruno Roussel, erhielt ein Jahr Gefängnis auf Bewährung und eine Geldstrafe von 50 000 Francs. Urteile wurden gegen acht Angeklagte gesprochen.

Vor dem Tourstart 1998 waren in Voets Auto an der belgisch/französischen Grenze Doping-Mittel sicher gestellt worden, mit der das halbe Starterfeld hätte versorgt werden können.

Der 31-jährige Richard Virenque, fünf Mal Gewinner des Bergtrikots bei der Tour, hatte zu Beginn des Prozesses, der am 7. November zu Ende ging, nach 27-monatigem Leugnen eigene Doping-Praxis gestanden. "Ich war ein Schaf in der Herde und bin mitgelaufen", sagte Virenque und unterstellte damit Doping als gängige Praxis im Profi-Radsport.

Trotz des Freispruchs dürfte die Karriere des in Casablanca geborenen Bergspezialisten wahrscheinlich beendet sein. Trotz seines bemerkenswerten Comebacks bei der vergangenen Tour mit Rang sechs ist er weiter ohne Mannschaft für die kommende Saison. Zudem erwartet ihn eine sechsmonatige Sperre des Radsportverbandes.

Sein Rennstall Polti (Italien) hatte sich zurück gezogen. Nach neuem Reglement des internationalen Radsport-Verbandes UCI würde die Sperre im Februar 2001 beginnen, was Virenques Tourstart im kommenden Jahr unmöglich machen würde.

Der Prozess gegen den an Krebs erkrankten ehemaligen Festina-Arzt Eric Rijckaert (Belgien), der flächendeckendes Doping im Team geleitet hatte, wurde abgetrennt. Mit den Strafen blieben die Richter in dem seit 23. Oktober währenden Prozess nur leicht unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft.

Nach der Verurteilung von Marco Pantani zu drei Monaten Gefängnis auf Bewährung setzen Italiens Doping-Jäger ihre Fahndung fort. In Brescia hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen eine Doping-Maffia aufgenommen, der auch der Chefcoach des italienischen Radverbandes, Antonio Fusi, angehören soll. Er steht im Verdacht, ärztliche Tests manipuliert zu haben, um die Kontrollen seiner Fahrer zu umgehen. Drei Apotheker der norditalienischen Städte Como, Brescia und Montova sollen die schädlichen Dopingmittel ausgegeben haben. Insgesamt wird gegen 18 Personen ermittelt, unter ihnen auch der frühere Giro-Sieger Pavel Tonkow (Russland) und Ex-Weltmeister Gianni Bugno (Italien). Das Verfahren kam durch die Anzeige eines Radsportlers ins Rollen.

Die Durchsuchung mehrerer Wohnungen von Beschuldigten führte zur Beschlagnahme von Substanzen wie Epo und Wachstumshormonen. Nach Angaben örtlicher Medien liegen der Staatsanwaltschaft auch medizinische Daten der Sportler vor, die überhöhte Hämatokritwerte und unnatürlich stark schwankende Blutwerte zeigen.

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