Doping : Radprofi Sinkewitz vor der Rückkehr

Als erster Doping-Kronzeuge kehrt Patrik Sinkewitz zurück in den Profiradsport. Er wird wohl im Januar bei der Mallorca-Rundfahrt nach einjähriger Sperre sein Comeback geben - beim unbekannten Team PSK Whirlpool.

Frank Bachner,Lars Spannagel
Der ehemalige T-MobileProfi Patrik Sinkewitz

Er war eigentlich die meiste Zeit seiner Karriere eine kleine Nummer, keiner von den Stars, denen die Kameraleute hinterherhetzen. Dass so einer 2009 für das zweitklassige tschechische Profi-Radteam PSK Whirlpool startet, ja, Gott im Himmel, wen hätte das normalerweise interessiert? Jetzt sorgt die Nachricht für Aufsehen. Denn Patrik Sinkewitz hat diesen Vertrag unterschrieben. Der Mann, der zum spektakulärsten Zeitpunkt, den es geben konnte, als Dopingsünder aufflog. Der Mann, der für den Rennstall T-Mobile fuhr, der Mann, der bei der Tour de France 2007 positiv getestet wurde und wegen dem ARD und ZDF aus der Live-Berichterstattung ausstiegen.

Sinkewitz gilt als Verräter

Dieser Mann kehrt als Fahrer in jenen Sport zurück, in dem er als Verräter galt und vielen immer noch gilt. Denn der 28-Jährige trat als Kronzeuge auf, er sagte umfassend aus. Wie umfassend, ist allerdings die Frage. Sinkewitz wurde aufgrund seines Geständnisses nur für ein Jahr gesperrt und musste 40 000 Euro Strafe bezahlen, aber er tat sich schwer, ein neues Team zu finden. Deshalb war sein Anwalt Michael Lehner auch enttäuscht. Er befürchtet, dass es sich nicht lohnt, über Dopingpraktiken auszupacken.

Bei PSK Whirlpool erhielt Sinkewitz einen Ein-Jahres-Vertrag, sein Comeback wird er voraussichtlich im Januar bei der Mallorca-Rundfahrt geben. Auf seiner Homepage „www.patrik-sinkewitz.de“ teilt er mit, warum er auf ein Comeback gedrängt hat. Er wolle allen Kritikern beweisen, dass er nicht bloß mit verbotenen Mitteln Leistung bringe. Dem Sender „TV News-Hessen“ sagte er: „Dafür habe ich ein Jahr Zeit, und da wird sich der eine oder andere sicher umschauen.“

Es haben sich allerdings schon genügend Menschen die Augen gerieben über den Fall und die Person Sinkewitz. Als am 17. Juli 2007 bekannt wurde, dass der Profi des Teams T-Mobile im Training positiv auf Testosteron getestet worden war, lag Sinkewitz gerade in Hamburg im Krankenhaus. Drei Tage zuvor war er bei der Abfahrt nach der Zielankunft der achten Etappe der Tour de France mit einem Zuschauer zusammengestoßen und hatte sich schwer im Gesicht verletzt.

Er gab zu, fast in seiner gesamten Karriere gedopt zu haben

Sinkewitz gestand, er habe sich im Trainingslager Testosteron-Gel auf den Oberarm geschmiert. Den Ermittlern der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und des Bundeskriminalamts berichtete er, beinahe seine gesamte Profikarriere über gedopt zu haben. Zum sportlichen Ausschluss kam der drohende finanzielle Kollaps. Nach dem Geständnis forderte sein ehemaliger Sponsor mehr als 300000 Euro Schadenersatz von ihm. Sinkewitz hoffte trotzdem, in den Profiradsport zurückkehren zu können. Er trainierte mehrere Stunden täglich – aber kein Rennstall rief an. Er sah sich als „Ausgestoßenen“. Jetzt ist er wieder dabei.

„Ich freue mich für Patrik“, sagt Jörg Jaksche, der andere deutsche Doping- Kronzeuge. „Gerade für ihn ist es wichtig, dass er wieder professionell Rad fahren kann. Das ist so etwas wie seine Lebensaufgabe.“ Jaksche selber strebt inzwischen an der Fernuniversität Hagen den Abschluss „Bachelor of Law“ an, eine Mischung aus Jura und Wirtschaftswissenschaften. Dazu, dass Sinkewitz zunächst in der zweiten Liga des Radsports fahren wird, sagt Jaksche: „Man muss eben immer klein anfangen, wenn man noch einmal ganz von vorne beginnt.“

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