Sport : Doping: Schäuble mag es altmodisch

Robert Ide

Das Beklagen von Veränderungen klingt immer ein wenig altmodisch. Zum Beispiel im Sport: Wettbewerbe werden mittlerweile als Events vermarktet, auf die Zuschauer im Stadion und am Fernsehschirm prasselt Werbung nieder. Die beteiligten Sportler kämpfen nicht mehr nur um Sieg und Niederlage, sie laufen um den unternehmerischen Erfolg.

"Der Wandel im Spitzenport ist verrückt", sagt Wolfgang Schäuble und schüttelt den Kopf. Der Bundestagsabgeordnete der CDU hat früher als sportpolitischer Sprecher seiner Fraktion und als Bundesinnenminister den Sport politisch betreut. "Ich habe immer versucht, mich nicht einzumischen", sagt er rückblickend. Doch inzwischen meint auch Schäuble, dass der Regelungsbedarf steigt.

Probleme gibt es genug: Das einstmals gefeierte Tennis steht vor dem Abgrund, im Fußball werden Anstoßzeiten von den Medien diktiert, der Radsport macht vorrangig durch Drogenrazzien von sich reden. Wo sollen da noch Vorbilder für den Nachwuchs herkommen? "Der Faden zwischen Leistungs- und Breitensport droht zu reißen", mahnt Schäuble. In den Schulen und Familien würden Talente nicht mehr gefördert, Orientierung an der Leistung sei in Deutschland sowieso kaum gefragt. Konsequenz: "Der deutsche Spitzensport fällt zurück, vor allem in den klassischen olympischen Disziplinen."

Aber was tun? Diese Frage beschäftigt nicht nur jene Sportjournalisten, die am Montagabend in Berlin mit Schäuble über die Zukunft des Sports diskutierten. In der rot-grünen Koalition wird der Ruf nach einem Anti-Doping-Gesetz immer lauter. Doch Schäuble bleibt zurückhaltend: "Was der Sport selbst kann, kann er besser. Wo der Staat einmal ist, kriegt man ihn schwer wieder raus."

Wolfgang Schäuble hat andere Vorstellungen. Er möchte lieber die Gesellschaft für das regelmäßige Sporttreiben sensibilisieren. Mehr Angebote für Freizeitsportler, bessere Talentförderung in den Schulen, Festhalten an der Vorbildfunktion von Spitzenathleten - das ist sein Vorschlag. Vielleicht klingt das alles ein wenig altmodisch. Aber einen wie Schäuble stört das nicht.

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