Doping : Unter Kiffern

Zwei Bonner Basketballer riskieren einen positiven Dopingtest - angeblich durch Passivrauchen von Marihuana. Nun werden sie bestraft.

Helen Ruwald,Friedhard Teuffel
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Sich selbst ausgedribbelt. Earl Jerrod Rowland musste zunächst auf die Bank. Foto: dpa

Berlin - Irgendwann muss sie ein schlechtes Gewissen gepackt haben. Oder die Angst vor einem Dopingtest. Donnerstagabend hatten Brandon Bow man und Earl Jerrod Rowland in einem Club gefeiert, am Freitag vertrauten sie sich ihrem Arbeitgeber an. Die beiden sind Leistungsträger beim Basketball-Bundesligisten Bonn, dem Meisterschaftszweiten von 2008. Bowman, ein Mann mit NBA-Ambitionen, macht im Schnitt 16 Punkte, Regisseur Rowland 12. Doch was Trainer Michael Koch erfuhr, veranlasste ihn, die beiden am Tag darauf gegen Ludwigsburg (76:67) nicht einzusetzen. Bowman und Rowland berichteten, dass in dem Club möglicherweise Marihuana geraucht worden sei. Der Inhaltsstoff THC steht auf der Dopingliste. Die US-Amerikaner fürchteten, durch Passivkiffen positiv getestet werden zu können.

Ein Schnelltest am Freitag war negativ, „aber so ein Test ist nicht so aussagekräftig“, sagt Koch. Erst ein Screening am Montag brachte Gewissheit: Ein Speziallabor fand keine Dopingsubstanzen. Auf dieses Testergebnis können sich die Bonner so gut wie verlassen. „Cannabis ist im Körper relativ lange nachweisbar“, sagt Wilhelm Schänzer, Leiter des Kölner Doping-Kontrolllabors. Auch mehrere Tage nach dem Kiffen könnten Sportler noch überführt werden, bei regelmäßigen Konsumenten sei das sogar Wochen später noch möglich. Dass auch Passivkiffen zu einem positiven Dopingtest führen kann, schließt Schänzer nicht aus.

Im Basketball sind Kiffer kein neues Problem

Die Basketball-Bundesliga war schon in der vergangenen Saison durch einige THC-Fälle aufgeschreckt worden, etwa den des damaligen Nationalspielers Misan Nikagbatse, der anschließend von Bundestrainer Dirk Bauermann nicht mehr berücksichtigt wurde. Als leistungssteigernd gilt THC vor allem in Risikosportarten, weil es Angst reduzieren kann. Deshalb werden etwa bei Downhill-Mountainbikerennen regelmäßig Kontrollen durchgeführt. Im Basketball macht Kiffen dagegen nicht besser, denn es beeinträchtigt die Aufmerksamkeit und schwächt den Antrieb. Das Strafmaß reicht daher nur von einer Verwarnung bis zu einer Sperre von einem Jahr.

In Bonn ließ Koch die beiden bis zum Dopingtest am Montag weder spielen noch trainieren. Vor dem Ludwigsburg- Spiel erklärten die Bonner, beide Profis hätten eine Grippe. Ein Arbeitgeber habe die Pflicht, seinen Angestellten zu glauben und sie vor ungerechtfertigten Verdächtigungen zu schützen, schrieb Präsident Wolfgang Wiedlich auf der Homepage des Klubs. Aber schon am Samstag in der Halle kursierten Gerüchte über den Marihuana-Verdacht, sodass die Baskets doch mit der Wahrheit herausrückten.

Koch sagt, der Verein habe den Profis geglaubt, „weil sie auf uns zugekommen sind. Dass sie es von sich aus gesagt haben, war vorbildlich.“ Allerdings hätten sie den Club „früher verlassen sollen“. Die beiden selbst äußerten sich öffentlich nicht. Konsequenzen wird ihr Verhalten auf jeden Fall haben: Am Mittwoch im Europapokal, beim 78:55 (43:22)-Sieg gegen Nikosia spielten Bowman und Rowland nicht von Beginn an, sie wurden jedoch im ersten Viertel eingewechselt. „Eine Strafe muss folgen“, sagt Koch. Sie müssen mit einer Geldstrafe rechnen.

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