Sport : Doping-Verdacht: Hymnen des Ruhms und ein böser Verdacht

Italien bejubelt den Goldregen von Sydney von Tag zu Tag euphorischer. "Die Wunderspiele gehen für Italien weiter", titelte "Il Mattino" am Montag. In die "Hymnen des Ruhms", die "La Gazzetta dello Sport" am Montag in dicken Lettern auf ihrer Titelseite erklingen ließ, mischen sich aber auch Dissonanzen. Über den Erfolg der italienischen Athleten legt sich ein bislang unbewiesener, aber immer wieder aufkommender Doping-Verdacht.

Ein Viertel der italienischen Athleten in Sydney stehen unter dem Verdacht, unerlaubte Wachstumshormone eingenommen zu haben. Zu diesem Ergebnis kommt nach Angaben der römischen Zeitung "La Repubblica" eine Untersuchung der "Wissenschafts- und Antidopingkommission" des Nationalen Olympischen Komitees (CONI), die dem italienischen Gesundheitsministerium in Rom vorliege.

Von 538 getesten italienischen Athleten hätten 61 unnatürlich hohe und zudem vor den Wettkampfphasen deutlich ansteigende Werte an Wachstumshormonen im Blut gehabt. Betroffen seien 36 Frauen und 25 Männer; vor allem Schwimmer, Ruderer, Volleyballer und Leichtathleten. "Die unnatürlichen Werte müssen die Folge einer direkten Aufnahme von Wachstumshormonen oder anderer Medikamente sein, welche die Freisetzung dieser Hormone stimuliert", zitierte die "La Repubblica" aus dem Bericht der CONI-Kommission. Die überhöhten Werte im Blut stellten eine ernste Gesundheitsgefährdung für die betroffenen Athleten dar.

Die Einnahme von Wachstumshormonen ist verboten, es gibt aber noch keinen verlässlichen Doping-Test, der einen Missbrauch aufdecken kann. Die Ergebnisse der CONI-Untersuchung sind im Rahmen der Aktion "Ich riskiere nicht meine Gesundheit" durchgeführt worden, an der sich alle italienischen Olympier beteiligen mussten. CONI hatte die Aktion am 1. Januar 2000 eingeführt. Die im Rahmen dieser Aktion durchgeführten Tests gehen über die international üblichen Dopingkontrollen hinaus.

Italiens Delegationschef Pagnozzi kommentierte die von "La Repubblica" als "Schock-Rapport" bezeichneten Untersuchungsergebnisse aus dem eigenen Haus gelassen. "Wir haben keinen Grund zur Beunruhigung. Keiner der aufgeführten Athleten hat in Sydney eine Medaille gewonnen", sagte Pagnozzi der "La Repubblica". "Sollte einer unsere Athleten positiv getestet werden, empfände ich das als Verrat an unserem Kampf gegen Doping."

Italiens Medaillenausbaute übertrifft bislang alle Erwartungen. Nach den 36 Medaillen von Atlanta hatte CONI-Präsident Gianni Petrucci rund dreißig Medaillen als Ziel vorgegeben. Zur Halbzeit hatten die Ialiener bereits 28 Medaillen erreicht. "Diese Spiele sind schon jetzt in die olympische Geschichte Italiens eingegangen", meinte Pagnozzi.

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