Sport : Doping-Verdächtigungen - Athleten provozieren selbst Misstrauen (Kommentar)

fmb

Die französische Sprinterin Christine Arron beschuldigt Konkurrentinnen des Dopings, der deutsche 3000-m-Hindernis-Läufer Damian Kallabis wird von Teamkollegen geschnitten, weil sie den Berliner als Epo-Doper verdächtigen, ein spanischer Marathonläufer wirft der gesamten Marathon-Elite seines Landes Epo-Einsatz vor, am Tag, als Abel Anton Gold gewinnt - willkommen im Sumpf aus Verdächtigungen und Misstrauen. Unverantwortlich diese Anschuldigungen ohne Beweise? Im engen Sinne betrachtet: ja. Aber nicht nur nationale Verbände mit laschen Doping-Kontrollen provozieren solche Äußerungen. Athleten tun es auch. Abel, konfrontiert mit den Vorwürfen: "Kein Kommentar." Dementiert so ein empörter, sauberer Athlet? Gerade wurde der spanische Marathon-Läufer Julio Rey als Dopingsünder gesperrt. Sind da die Vorwürfe so absurd? Als Merlene Ottey mit positiver A-Probe auffiel, bezweifelte 100-m-Weltrekordler Maurice Greene die Korrektheit der Analyse. Ausgerechnet Greene, der selbst genügend Fragen aufwirft.

Der Weg an die Öffentlichkeit muss nicht der schlechteste sein. Öffentlicher Druck erzeugt oft Ergebnisse. Und wenn Athleten Druck ausüben, auf Funktionäre, auf Verbände, um einen härteren Anti-Doping-Kampf einzufordern, ist das in Ordnung. Zur Gratwanderung wird die Medien-Arbeit, wenn es nur Indizien gibt. Dann grassiert ein Klima der Verdächtigungen. Verhindern können das letztlich nur die Verbände - durch mehr Geld für Forschung und Fahnder. In Sevilla verteilte die IAAF fast sechs Millionen Dollar Prämien. Für Dopingkontrollen gab sie 1998 nur 1,8 Millionen aus. Das ist der Unterschied.

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