Doping : Viermal im Monat HGH

Tim Montgomery gibt zu, vor Olympia 2000 gedopt zu haben. Viermal monatlich habe er das menschliche Wachstumshormon HGH genommen.

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Falscher Held. Tim Montgomery verliert gerade mehr als er gewonnen hat. Foto: dpa

New York/BerlinWas die Dopingkontrolleure mit unzähligen Tests nicht herausgefunden hatten, das hat Tim Montgomery nun selbst zugegeben: Der ehemalige Weltrekordhalter über 100 Meter war gedopt. Das erklärte der 33 Jahre alte Amerikaner in einem Interview des US-Fernsehsenders HBO, das am Dienstag ausgestrahlt wird.

"Ich habe eine Goldmedaille, die ich nicht mit meinen eigenen Fähigkeiten errungen habe", sagte Montgomery, der bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney mit Jon Drummond, Bernard Williams, Brian Lewis, Maurice Greene und Kenneth Brokenburr Gold in der 4x100-Meter-Staffel gewonnen hatte.

Bereits vor den Spielen habe er mit Testosteron und dem menschlichen Wachstumshormon (HGH) gedopt. Viermal monatlich habe er HGH genommen.

"Wenn Montgomery bei den Spielen betrogen hat, soll er vortreten und freiwillig seine Medaille zurückgeben", forderte der Sprecher des Nationalen Olympischen Komitees der USA (USOC), Darryl Seibel. Nach den Dopinggeständnissen von Antonio Pettigrew und Marion Jones hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) schon die beiden siegreichen 4x400-Meter-Staffeln sowie die drittplatzierte 4x100-Meter-Frauenstaffel disqualifiziert. Ob Montgomerys Geständnis zum Verlust eines weiteren Olympiasiegs führt, ist jedoch fraglich. Montgomery war schließlich wie Brokenburr nur im Vorlauf zum Einsatz gekommen. Die amerikanische 4x400-Meter-Staffel hatte auch zunächst ihre Goldmedaille behalten dürfen, weil der überführte Jerome Young ebenfalls nicht im Endlauf dabei war. Erst als Pettigrew als Doper feststand, erkannte das IOC der Staffel die Goldmedaille ab.

Außerdem gibt es eine Regel, nach der Dopingvergehen nach acht Jahren nicht mehr bestraft werden. Die acht Jahre sind in diesem Fall vorbei. Das IOC teilte auf Anfrage mit: "Es ist zu früh, um über eine Entscheidung zu spekulieren." Es schloss sich erst einmal dem USOC an. "Wir unterstützen die Position des USOC und fordern den Athleten auf, seine Medaille freiwillig zurückzugeben." Der Internationale Leichtathletik-Verband will Untersuchungen der amerikanischen Anti-Doping-Agentur abwarten, bevor er selbst eingreift.

"Ich bin nicht hier, um anderen etwas wegzunehmen, das sie erreicht haben. Ich spreche nur für mich und möchte mich bei den anderen Staffel-Mitgliedern entschuldigen", sagte Montgomery. In seiner Karriere wurde der einst schnellste Mann der Welt zwar nie positiv auf Doping getestet, dennoch war er im Dezember 2005 vom Internationalen Sportgerichtshof Cas für zwei Jahre gesperrt worden, nachdem sein Name im Zusammenhang mit dem Balco-Skandal aufgetaucht war. Zugleich wurde ihm sein 2002 in Paris aufgestellter 100-Meter-Weltrekord (9,78 Sekunden) aberkannt.

Derzeit verbüßt der ehemalige Lebensgefährte von Marion Jones eine 46-monatige Haftstrafe wegen Geldwäsche und Scheckbetrugs in Millionenhöhe. Anschließend muss er weitere fünf Jahre wegen Heroinhandels im Gefängnis bleiben. Tim Montgomery ist sich offenbar selbst ein Rätsel: "Warum ich das alles gemacht habe? Mit dieser Frage wache ich jeden Morgen auf und schlafe jeden Abend ein." dpa/teu

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