Doping-Vorwürfe : Kommission entlastet Armstrong

Eine vom Radsport-Weltverband UCI eingesetzte Kommission hat den Tour-de-France- Rekordsieger Lance Armstrong von Doping-Vorwürfen frei gesprochen.

Berlin/Amsterdam - «Die Kommission entlastet Armstrong komplett vom Vorwurf, seinen ersten Toursieg 1999 mit Hilfe von Doping errungen zu haben», sagte der als Leiter des Gremiums eingesetzte Amsterdamer Rechtsanwalt Emile Vrijman am Mittwoch. Diese Wertung kritisierte umgehend die Welt-Doping-Agentur WADA. «Das kommt mir seltsam vor», sagte WADA- Chef Dick Pound.

Der Armstrong-Report umfasst 132 Seiten und geht zurück auf die Vorwürfe der französischen Sportzeitung «L'Équipe», sechs aufgetaute und im Vorjahr nachträglich untersuchte Urinproben hätten beim Texaner Spuren des Blutdopingmittels Epo erbracht. Wider Erwarten kritisierte auch die UCI das «voreilige Vorgehen» Vrijmans, der an die Öffentlichkeit trat, bevor die definitive Version des Reports allen relevanten Stellen vorgelegen hätte.

"Das Schlimmste ist eingetroffen"

Die Kommission attackierte die WADA und das vom IOC akkreditierte Labor in Chatenay-Malabry, Armstrong mit Schuldzuweisungen in Misskredit gebracht zu haben und bezweifelte die juristischen Grundlagen für die öffentlichen WADA-Angriffe auf Armstrong. «Wie kann ein Anwalt die wissenschaftlichen Analysen eines weltweit anerkannten Instituts in Zweifel ziehen», sagte Pound in einer ersten Stellungnahme und erklärte nach Veröffentlichung des Reports: «Das Schlimmste, was wir von vornherein erwarteten, ist eingetroffen: Es bestand keinerlei Interesse wirklich herauszufinden, ob die Proben positiv waren.»

Im August 2005, kurz nach Ende der Tour, hatte «L'Équipe» von den nachträglich kontrollierten Urinproben berichtet und die Ergebnisse der Analysen des Labors Chatenay-Malabry bei Paris veröffentlicht. 1999 war noch kein direkter Epo-Nachweis möglich - der existiert erst seit 2001. Ein Reporter der Zeitung hatte die Codes der anonymen Proben geknackt.

Die Kommission zum Fall Armstrong wurde im Oktober des Vorjahres vom damals noch amtierenden UCI-Präsidenten Hein Verbruggen (Niederlande) eingesetzt, dem im Anti-Doping-Kampf von mehreren Seiten Versäumnisse vorgeworfen worden waren. Der im Vorjahr nach seinem siebenten Toursieg zurückgetretene Amerikaner hatte stets geleugnet, Doping benutzt zu haben und mehrere Prozesse geführt.

"Großes Erstaunen"

Umso erstaunlicher wirkte am Mittwoch die UCI-Kritik am Kommissions-Vorsitzenden, der dem Verband mit seiner Wertung doch eigentlich aus dem Herzen hätte sprechen müssen. Die UCI hatte sich zusammen mit Armstrong immer gegen Schuldzuweisungen gewandt. Der Dachverband kündigte an, die Ergebnisse der Untersuchung erst zu veröffentlichen, wenn die Dokumente komplett vorlägen. Die UCI hätte die Veröffentlichung am Mittwoch mit «großem Erstaunen» vernommen, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme. (tso/dpa)

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