Doping : War Jalabert bei Ferrari?

Der unter Dopingverdacht stehende Laurent Jalabert gerät weiter unter Druck. Der Ex-Weltmeister soll nach Informationen der Zeitung „Le Monde“ in Verbindung mit Skandalarzt Doktor Ferrari gestanden haben, was seine Aussagen vor der Anti-Doping-Kommission infrage stellt.

Doktor Citroen oder doch Doktor Ferrari? Die Dopingaffäre um Ex-Weltmeister Laurent Jalabert weitet sich kurz vor dem Start der 100. Tour de France aus und hat inzwischen eine pikante Note erhalten. „Unser Arzt hatte den Spitznamen Doktor Citroen“, soll der unter Dopingverdacht geratene Jalabert am 15. Mai dieses Jahres in Anspielung auf den Skandalarzt Michele Ferrari bei der Anhörung vor der Anti-Doping-Kommission des französischen Senats noch gescherzt haben. Eine Aussage, die nach Informationen der französischen Zeitung „Le Monde“ inzwischen in einem neuen Licht erscheint. Demnach soll der Name Jalaberts in Unterlagen italienischer Ermittler im Zuge einer Hausdurchsuchung beim langjährigen Lance-Armstrong-Gefährten Ferrari auftauchen.

So bringt der Fall des in Frankreich sehr beliebten Ex-Radprofis neue Negativ-Schlagzeilen, welche die Verantwortlichen vor der am Samstag beginnenden Jubiläumsausgabe der Frankreich-Rundfahrt kaum gebrauchen können. Um das Nervenkostüm der Radsport-Verantwortlichen scheint es ohnehin nicht gut bestellt zu sein. Anders ist es kaum zu erklären, dass sich der Radsport-Weltverband UCI genötigt sah, auf einen launigen
Twitter-Kommentar des italienischen Sportbetrügers Riccardo Riccò mit einer offiziellen Mitteilung zu reagieren. Darin wies die UCI die Vorwürfe zurück, bei der Tour 2008 seien positive Dopingproben unterschlagen worden.

Doping, immer wieder Doping. Dass Jalabert, einer der erfolgreichsten Fahrer aus der EPO-Ära in den 90-er Jahren, nun auch unter Verdacht gerät, verwundert eigentlich nicht. Doch für den früheren Weltranglisten-Ersten, der mit einer bislang noch weißen Weste als Experte hoch angesehen war, kommt es nun scheinbar ganz dick. Wie „Le Monde“ berichtet, tauche der Name des Franzosen im Zusammenhang mit Ermittlungen aus dem Jahre
1998 durch die Staatsanwaltschaft Bologna auf. Die Unterlagen sollen auch zeigen, dass Jalaberts Hämatokritwert von Januar bis August 1997 von 42 auf 54 Prozent angestiegen sein soll.

Erst am Montag hatte die Sporttageszeitung „L'Équipe“ von einer positiven Kontrolle des früheren Vuelta-Siegers aus dem Jahre 1998 berichtet. 2004 sei in Nachtests bei Jalaberts Dopingprobe vom 22. Juli 1998 nach einer Tour-Etappe das Blutdopingmittel EPO nachgewiesen worden. Jalabert hatte die Anschuldigungen in einer ersten Reaktion weder bestätigen noch dementieren wollen. Bereits bei seiner Anhörung im Mai hatte er - neben seinen Scherzen - ausgesagt, dass er nicht sicher sagen könne, dass er in seiner Karriere „nichts Illegales“ gemacht habe. Dabei hatte er durchblicken lassen, dass er von den Ärzten womöglich unbewusst gedopt worden sei. Er habe aber nie Ärzte aus eigenem Bestreben zu Dopingzwecken aufgesucht, was durch den neuesten Bericht infrage gestellt wird. Denn Ferrari war bei Jalaberts Rennstall ONCE nicht angestellt gewesen.

Unbestritten sind hingegen die Dopingvergehen von Riccò, der dafür bis 2024 noch gesperrt ist, was ihn nicht davon abhält, Anschuldigungen zu erheben. „Vier Fahrer waren positiv auf EPO, aber 48 standen auf der Liste ...“, hatte der Italiener am Dienstag mit Blick auf die Kontrollen der Tour 2008 geschrieben. Riccò war wie die beiden Gerolsteiner-Profis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl sowie sein damaliger Teamkollege Leonardo
Piepoli bei den verfeinerten Kontrollen positiv auf den EPO-Nachfolger Cera getestet worden.

„Diese unbegründete Behauptung ist völlig falsch“, teilte die UCI mit. Im Jahr 2008 sei zwar die französische Anti-Doping-Agentur AFLD für die Durchführung der Kontrollen zuständig gewesen, doch jedes der Norm abweichende Ergebnis sei durch das Labor auch mit einer Kopie an die UCI und an die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gemeldet worden. (dpa)

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