Sport : DOPING

Drei weitere Fußballerinnen aus Nordkorea sind positiv getestet worden. Ihre

Erklärung ist abenteuerlich:

Nach einem Blitzschlag

hätten sie das Extrakt eines Moschushirschen geschluckt

Über Doping sind ja schon die verrücktesten Geschichten erzählt worden. Diese aber ist wohl die verrückteste. Am Samstag erhärtete sich der Verdacht, dass im nordkoreanischen Frauenfußball systematisch manipuliert wird. War bislang von zwei positiven Fällen im abgeschotteten Team die Rede – im Urin von Song Jong Sun und Jong Pok Sim waren verbotene Substanzen gefunden worden –, so sind nun drei weitere positive B-Proben aufgetaucht. Das Manipulationsmittel: anabole Steroide der Gruppe S1B, die dem Muskelaufbau dienen und eigentlich nur noch der Renner unter hirnlosen Bodybuildern im Fitnessstudio sind.

Nach den ersten Verdachtsfällen musste sich das gesamte nordkoreanische Team nach dem letzten Gruppenspiel gegen Kolumbien einer Zielkontrolle unterziehen. Dafür wurde laut Fifa das Team in Bochum bis drei Uhr nachts festgehalten, ehe es – als torloser Gruppenletzter – über Zürich zurück in die abgeschottete Heimat nach Nordkorea fliegen durfte.

Der nordkoreanische Verband reagierte mit einer abenteuerlichen Erklärung – noch abenteuerlicher als die Blitzschlag-Theorie, die die erste WM-Niederlage gegen den amerikanischen Klassenfeind erklären sollte. Nordkoreas Verband habe die positiven Proben mit der Gabe von traditioneller chinesischer Medizin erläutert, „es handelt sich um ein Präparat von einem so genannten Moschushirschen, der in Sibirien, der Mongolei und Nepal lebt“, teilte Fifa-Chefmediziner Jiri Dvorak mit. Das flüssige Extrakt werde aus einer haarigen Drüse gewonnen, die so groß wie eine Auster sei.

Im Fall Nordkoreas enthielt es 14 anabole Steroide, von denen vier auf der Anti-Doping-Liste stehen. Das Mittel, so die nordkoreanische Teamärztin, habe man jenen neun Fußballerinnen gegeben, die angeblich am 8. Juni vom Blitz getroffen worden seien. Fakt ist, dass mit dem Präparat „eine Manipulation stattgefunden hat“, sagt Dvorak. Welche Spielerinnen betroffen sind und wie sie bestraft werden, ist offen. Ebenso die Frage, wer diese Geschichte glaubt. Frank Hellmann

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