Anti-Doping-Gipfel : Mit dem "Blut-Pass" aus der Defensive

Mit großen Hoffnungen und einem komplett neuen Ansatz ist der Anti-Doping-Gipfel in Paris gestartet. Mittels eines "Blut-Passes" will der Radsport bei der Bekämpfung des Dopings voranschreiten. Doch das Treffen wird von Kompetenzgerangel und Eifersüchteleien begleitet.

Benjamin Haller,Thomas Mustroph

ParisIm Kampf gegen Doping bläst der Radsport zur Attacke und will mit dem "Blut-Pass" eine Vorreiterrolle einnehmen. "Der Pass ist ein komplett neuer Ansatz im Anti-Doping-Kampf und der Schlüssel in den Anstrengungen der UCI", sagte Pat McQuaid, der Präsident des Weltverbandes UCI, bei der Eröffnung des Anti-Doping-Gipfels. Alle Verantwortlichen des skandalgeplagten Radsports erhofften sich von der Einführung des "Blut-Passes" einen "Fortschritt für einen sauberen Sport", sagte der Ire.

Besonders optimistisch gab sich die Direktorin des Anti-Doping-Programms der UCI, Anne Gripper: "Wir können den Radsport vom Doping befreien, wenn wir alle zusammenarbeiten." Im Kampf für einen sauberen Sport sei selbst eine Sonderbehandlung einzelner des Dopings verdächtiger Mannschaften - etwa durch Zielkontrollen aller Teamfahrer - nicht mehr ausgeschlossen.

"Blut-Pass" als Hoffnungsträger

Auch Deutschland-Tour-Chef Kai Rapp setzt große Hoffnungen in den individuellen Pass, auf dem die Ergebnisse sämtlicher Blut- und Urinkontrollen jedes Fahrer erfasst werden sollen. "Ich hoffe, dass der Radsport hier ein Beispiel für andere Sportarten geben kann", sagte Rapp der Deutschen Presse-Agentur dpa. Wichtig sei, dass auch Sanktionen verhängt werden, wenn im "Blut-Pass" nach Trainings- und Wettkampfkontrollen ein irregulärer Wert festgestellt wurde. Für ihn als Renn-Veranstalter sei es besonders wichtig, dass Doping-verdächtige Profis präventiv aus dem Verkehr gezogen werden dürfen. Rapp: "Doch es wird sicher das größte Problem, von wem die Strafen dann verhängt werden." Hierfür komme die UCI oder die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada infrage.

Im Vorfeld des größten Anti-Doping-Gipfels in der Geschichte des Radsports mit rund 150 Teilnehmern hatte es zwischen UCI-Chef McQuaid und WADA-Präsident Richard Pound, denen eine Intimfeindschaft nachgesagt wird, einen Streit darüber gegeben, unter wessen Vorsitz das Treffen abgehalten werden soll. "Lachende Dritte" war die neue französische Sportministerin Roselyne Bachelot, die die Streithähne in einem Interview zur Räson aufrief: "Ich erwarte Teilnehmer, deren Anwesenheit unerlässlich ist, und Teilnehmer, die für einige Zeit gezögert, gemurrt und sich geweigert haben, miteinander zu sprechen." Nun sollten alle Beteiligten wieder zusammenarbeiten, sagte die Ministerin, die den Gipfel als für den gesamten Sport hilfreiches "Pilotprojekt" bezeichnete.

Radsport sieht sich als Vorreiter

Sie könne sich vorstellen, dass der Pass nicht nur im Radsport, sondern "für alle Sportarten eingesetzt werden könnte, im Tennis, Fußball und bei der Leichtathletik", sagte Bachelot. Der Radsport habe bereits sehr viele Bemühungen bei den Dopingtests gemacht. So entfielen nach Angaben der Ministerin 20 Prozent aller weltweit 9000 Dopingkontrollen im Leistungssport auf den Radsport. "Das sind 50 Mal mehr als beim Fußball", sagte sie im französischen Rundfunk.

Bis Dienstag diskutiert das "Who is who" des skandalgeplagten Radsports über einen Weg aus der Krise. Neben Rapp haben auch Rudolf Scharping, der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Gerolsteiner-Chef Hans-Michael Holczer und der Dopingrechts-Experte Ulrich Haas ihr Kommen zu den vier Runden-Tisch-Gesprächen zugesagt. (mit dpa)

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