Anti-Doping-Kampf : Meister der Diskretion

Die Wada ermittelt in der Wiener Blutbankaffäre, ist aber von den staatlichen Behörden abhängig

Friedhard Teuffel

LausanneMit jeder Frage ging David Howman einen Schritt zurück, bis er am Ende fast an der Wand angekommen war. Manche Fragen sind gefährlich für den Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada. Vor allem die nach der derzeit spannendsten Dopingaffäre, die um die Wiener Blutbank Humanplasma. In ihrem Zusammenhang war eine anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Wien eingegangen, die auch deutsche Biathleten des Dopings beschuldigte. Haben Sie Informationen über weitere Dopinglabore in Österreich, Mister Howman? „Wir warten auf einen Bericht der österreichischen Behörden dazu.“ Haben Athleten Informationen zu dieser Affäre an die Wada weitergegeben? „Das ist möglich.“ Sind Ihnen Namen von Athleten bekannt? „Es sind Namen, die auch in den Medien genannt wurden.“

Geheimniskrämerei scheint derzeit Howmans wichtigste Aufgabe gegenüber der Öffentlichkeit zu sein. Solange die österreichischen Behörden ermitteln, solange gibt er sein Wissen nicht preis. Angefangen hatten die Ermittlungen jedoch durch seine Organisation: Die Wada hatte im Oktober 2007 vom Verdacht gegen Humanplasma erfahren und die österreichischen Strafverfolgungsbehörden informiert. Die Wada hat den Fall Humanplasma auch auf eine Liste der wichtigsten Verfahren gesetzt. Sie ist brennend daran interessiert, ob sich von Wien aus ein Netzwerk ermitteln lässt. Immerhin sagte Howman gestern bei einem Symposium der Wada in Lausanne: „Seit Oktober haben wir noch einige Informationen mehr erhalten.“ Und: „Unser Problem sind nicht die öffentlich sichtbaren Labore wie Humanplasma, die eine Adresse haben, sondern die Labore, die keiner kennt.“

So zeigt die Affäre um die Wiener Blutbank, dessen Geschäftsführer Dopingpraktiken in seinem Haus ausgeschlossen hat, wie abhängig die Wada im Kampf gegen Doping ist. Sie weiß viel und kann wenig tun. Gegen illegale Labore vorzugehen, muss die Wada der Staatsanwaltschaft überlassen. Auch in der Öffentlichkeit muss sich Howman zurückhalten.

Insofern war das Symposium wenigstens eine gute Übung für Howman. Denn seine Diskretion ist in diesem Jahr besonders gefragt. Bis zu und bei den Olympischen Spielen will die Wada betrügende Athleten noch ein paar Mal überraschen. „Ich möchte einfach, dass die Athleten richtig schlecht schlafen“, sagte Howman. Zum Beispiel in Bezug auf eine der gängigsten Dopingsubstanzen, das Wachstumshormon HGH. Die Wada hat jetzt einen neuen Lieferanten aus Deutschland aufgetan, um ausreichend Testmaterial zu haben. Zuletzt hatte das Kontrolllabor in Köln beklagt, gar keine Tests auf HGH durchführen zu können, weil keine Antikörper geliefert würden. Sie sind für das Testverfahren jedoch notwendig.

Auch der neue Präsident der Wada hat gestern nicht viel mehr verraten. Bei ihm dürfte es jedoch eher an Unkenntnis liegen als an eingeübter Verschwiegenheit. John Fahey ist der erste aus dem Kreis der Regierungsvertreter, nicht aus dem Kreis des Sports, der an der Spitze der Wada steht. Zuvor hatte der kanadische Sportfunktionär und Steueranwalt Richard Pound die Wada geführt. Seit dem 1. Januar ist der ehemalige australische Finanzminister Fahey nun im Amt, und seine Einarbeitungsphase scheint noch ein bisschen weiterzugehen. Seine Rede war jedenfalls ein abgelesener Vortrag über die Geschichte der Wada mit der politischen Botschaft, dass Doping eine Bedrohung für die Gesundheit der Menschen ist.

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