Anti-Doping-Kommission : Gerangel ums Geld

Die Anti-Doping-Kommission des Bundes Deutscher Radfahrer ist erst mal gescheitert – die Gründe dafür sind umstritten.

Frank Bachner

BerlinFritz Sörgel bereut nichts. Am Montag ist der Pharmakologe als Mitglied der Anti-Doping-Kommission des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) zurückgetreten, jetzt sagt er: „Es war richtig. Ich hatte gedacht, durch den BDR würde ein Ruck gehen, aber da tat sich nichts.“ Mit Sörgel traten Michael Groß und Stephan Netzle zurück – jetzt tobt der Streit, wer am Scheitern Schuld hat.

Für Sörgel liegt der Hauptgrund bei BDR-Präsident Rudolf Scharping und der ungesicherten Finanzierung der Kommissionsarbeit. Zudem habe Scharping der Kommission keinen klaren Auftrag gegeben und sie nur als Feigenblatt für einen Anti-Doping-Kampf angesehen. Der Sportjurist Netzle habe ein Konzept ausgearbeitet – ein Maximalprogramm, mit dem der BDR herausfinden sollte, was er überhaupt wolle. Das hätte aber 450 000 Euro verschlungen. Allein 100 000 Euro, schätzt Sörgel, wären für Reisekosten benötigt worden. Schließlich hätten 50 bis 60 Personen befragt und mit einem von Scharping angebotenen Tagessatz von 1500 Euro werden müssen. Definitiv gesichert seien aber nur 40 000 Euro gewesen. „Aber wir können doch nichts ins Blaue rein arbeiten, mit der Gefahr, dass die Kommission nach zwei oder drei Sitzungen aufgelöst wird.“

Aus gut informierten Kreisen des BDR heißt es, die Kommission habe sehr wohl einen klaren Auftrag gehabt. Sie hätte die Anti-Doping-Strategie des BDR überprüfen, verbessern und die Vergangenheit aufklären sollen. BDR-Präsident Scharping hätte sich dafür eingesetzt, dass die Kommissionsmitglieder Dopingunterlagen des früheren Deutschen Sportbundes und die staatsanwaltlichen Vernehmungsprotokolle des Radprofis Jörg Jaksche erhalten hätten. Jaksche hatte jahrelanges Doping gestanden. Außerdem habe der BDR die Anhörung des gedopten Radprofis Patrick Sinkewitz ermöglicht. Scharping sagte gestern nur einen Satz: „Es ist eine absurde Vorstellung, dass man ein Feigenblatt mit 450 000 Euro finanziert.“ Für ihn hatte die Kommission nicht bloß Alibi-Charakter.

Aber ist die Kommission jetzt überhaupt aufgelöst? Selbstverständlich, sagt Sörgel, sie habe ja immer nur aus Netzle, Groß und ihm bestanden. Sie existiert weiter, heißt es dagegen aus BDR-Kreisen. Denn sie habe immer schon aus sieben Personen bestanden, nur drei seien zurückgetreten. Die vier anderen allerdings seien von dem Trio gleich zum Beirat degradiert worden. Diese Einschätzung empört Sörgel: „Wer so etwas behauptet, lügt.“ Scharping habe Netzle, Groß und ihm vier Personen als Beirat aufgezwungen. Zu dem Quartett gehört auch der frühere Verkehrsminister Kurt Bodewig. „Wir haben alle vier abgelehnt, vor allem Bodewig“, sagt Sörgel. „Was soll der dort? Ich bin dagegen, dass Geld für so eine wichtige Kommission an einen Parteikollegen weitergeleitet wird.“

Geld war offenbar für alle sieben Gruppenmitglieder vorgesehen. Sörgel, Netzle und Groß hätten 1500 bis 1700 Euro Tagegeld plus Mehrwertsteuer und Spesen verlangt, heißt es aus hohen BDR-Kreisen. Sörgel erklärt dagegen nachdrücklich, er habe ehrenamtlich gearbeitet. „Wir haben schon viel Zeit investiert und für die Arbeitsstunden nichts berechnet“, sagt Sörgel. „Das erwähnt Herr Scharping nicht.“ Ungeklärt ist bis jetzt, ob das Geld vom BDR selber angeboten oder ob es tatsächlich verlangt wurde.

Die Kommission, sagt Sörgel, habe lediglich zwei Telefonkonferenzen, ohne die Beiratsmitglieder, und eine höchst unergiebige Sitzung in Frankfurt am Main abgehalten. Bei dieser Sitzung sei Scharping schnell verschwunden und Beirat Dirk Claßing, früheres Vorstandsmitglied der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), nach zwei Stunden aufgestanden. „Dann saßen Herr Netzle und ich allein da. Wir waren wütend. Für solchen Unsinn haben wir keine Zeit.“ Aktuelle Anti-Doping-Maßnahmen des BDR habe die Kommission zudem nur aus der Zeitung erfahren. Dass die Mitglieder alte Unterlagen des DSB erhalten hätten, bestätigt er. Nur: „Die haben nicht viel gebracht.“

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