Anti-Doping-Konferenz : Kleinkriege der Funktionäre

Um den Job des obersten Doping-Bekämpfers gibt es noch Gerangel. Für den deutschen Sport hat die Welt-Anti-Doping-Konferenz in Madrid allerdings mit einem Erfolg begonnen.

Andreas Schirmer[dpa]
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Es gibt Streit um die Nachfolge von Richard Pound. -Foto: dpa

Madrid"Die Ein-Stunden-Regel ist vom Tisch", erklärte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Ohne unsere klare Stellungnahme dazu wäre dieser Durchbruch nicht möglich gewesen." Weiter gestritten wird in der spanischen Hauptstadt aber um die Nachfolge des scheidenden Wada-Präsidenten Richard Pound. Die europäischen Regierungsvertreter hegen Zweifel an der Qualifikation des einzigen Kandidaten, John Fahey aus Australien.

Ein-Stunden-Regel: Bach setzt sich durch

Die in den internationalen Teststandards des neuen Welt-Anti-Doping-Code vorgesehene Ein-Stunden-Regel hätte den Athleten das Recht zur Festlegung einer Stunde am Tag gegeben, während der sie für Kontrollen zur Verfügung stehen müssen. "Das ist sinnlos. Die Regel würde es erleichtern, Kontrollen zu umgehen oder zu manipulieren", sagte Bach. Mit seinen Argumenten konnte er Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), und andere Spitzenfunktionäre überzeugen. "Nur eine Stunde ist zu kurz. Durch diese Regel wäre die Tür zur Manipulation geöffnet worden."

"Wir sind sehr zufrieden. Es war unser politisches Ziel, das wir auf Grundlage eines nationalen Konsenses erkämpft haben", begrüßte Armin Baumert, Vorsitzender der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), das Kippen der Meldepflichtregel. Das letzte Wort wird jedoch das Wada-Board im Mai 2009 haben. Bis dahin soll eine Arbeitsgruppe mit deutscher Beteiligung eine Lösung für diesen Teststandard gefunden werden. Der Nada-Code verlangt von den deutschen Athleten eine 24 Stunden umfassende Verfügbarkeit für Kontrollen.

Fahey findet wenig Zuneigung

Hinter den Kulissen gab es weiter heftiges Gerangel um die Nachfolge von Wada-Chef Pound, der Ende des Jahres aufhört. Ex-Minister Fahey findet bei den Europäern, die durch den unverständlichen Rückzug des Franzosen Jean-Francois Lamour in eine sportpolitische Sackgasse manövriert wurden, wenig Zuneigung. "Da ist es munter zugegangen", berichtete Bach von einer Sitzung, bei der sich Fahey den europäischen Regierungsvertretern vorstellte.

Der 62-Jährige ist - abgesehen von seinem Mitwirken an der Bewerbung Sydneys für die Olympischen Spiele 2000 - im weltweiten Sport nicht bekannt. "Wenn man Doping bekämpfen will, ist Sachverstand nicht abträglich", meinte Bach süffisant. Allerdings sei es am Samstag bei der Wahl im Wada-Foundation-Board Sache der Regierungen, sich zu einigen. Der Sport würde den Kandidaten akzeptieren. "Nach dem Erfolg bei der Wahl darf aber dann niemand mehr beschädigt werden", forderte Bach.

IOC-Präsident fordert Aufklärung des spanischen Doping-Skandals

Entgegen allen diplomatischen Gepflogenheiten hat IOC-Präsident Rogge gleich am Anfang seiner Rede zur Eröffnung der Welttreffens eine Klärung des spanischen Doping-Skandals "Operation Puerto" angemahnt. "Ich hoffe, dass dieser Fall zu einem guten Ende gebracht wird. Wir sind gespannt, was für ein Urteil das oberste spanische Gericht finden wird", sagte er. Bei dem Skandal um den Arzt Eufemiano Fuentes waren bei Razzien große Mengen von Doping-Mitteln, Blutbeutel und Listen mit Codenamen gefunden worden. Die Spuren führten auch zu dem früheren Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich.

"Ohne Höflichkeitsfloskel ist er gleich auf den Punkt gekommen", begrüßte IOC-Vizepräsident Bach den Rogge-Vorstoß. "Das müssen auch die verstanden haben, die es nicht verstehen wollen." Bisher seien dem IOC-Disziplinarausschuss keinerlei Unterlagen zugänglich gemacht worden. "Es wäre eine Morgengabe der Spanier gewesen, wenn sie zur Anti-Doping-Konferenz mit einen dicken Aktenordner mit den Ermittlungsergebnissen aufgetaucht wären", sagte Bach.

Die Verabschiedung eines neuen Welt-Anti-Doping-Codes steht am Freitag im Mittelpunkt der Konferenz. Die Anhebung der Sperre für schwere Doping-Erstvergehen, aber zugleich die flexiblere Sanktionsmöglichkeiten im Einzelfall und eine Erweiterung der Kronzeugenregelung sind die wichtigsten Innovationen des Kodex'.

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