Doping : Dramatischer Test

Der Astana-Profi Matthias Kessler wies einen Testosteron-Wert von 84,5 auf. Erlaubt ist der Wert vier.

Kessler
Positiv auf Testosteron getestet: Astana-Profi Matthias Kessler. -Foto: AFP

BerlinMatthias Kessler ist gerade suspendiert, der Radprofi vom Astana-Team ist positiv auf das männliche Sexualhormon Testosteron getestet worden. Damit fällt der frühere Telekom-Profi derzeit in der Fülle der Doping-Nachrichten aus der Radsportszene nicht sonderlich auf. Aber jetzt hat der 28-Jährige nach Informationen des Tagesspiegels gute Chancen, als der Profi mit dem exorbitantesten Quotienten in die Geschichte des Dopings einzugehen, den je gab. Denn das Dopinglabor in Gent, Belgien, hat in der A-Probe des Nürnbergers einen Quotienten (beim Verhältnis Testosteron/Epitestosteron) von 84,5:1 gemessen. „Das ist ein dramatisch hoher Wert“, sagt Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für pharmazeutische Forschung in Nürnberg. Floyd Landis aus den USA, der gedopte Sieger der Tour de France von 2006, hatte einen Quotienten von elf. Erlaubt ist der Wert vier.

Der Wert kann in seltenen Fällen durch normale Schwankungen im menschlichen Körper vorhanden sein. Entscheidend wird jetzt die Auswertung der B-Probe im Dopinglabor in Köln sein. Kessler hat bis nächsten Donnerstag Zeit, die Untersuchung zu beantragen.

Solch einen extrem hohen Wert wie 84,5 könne ein Mensch theoretisch haben, sagt der Pharmakologe Sörgel, „aber er ist schon extrem ungewöhnlich“. Wenn ein Fahnder zufällig dann die Probe nehme, wenn der Wirkungsgrad des Testosteron-Dopings am höchsten sei, könne man so einen Wert erreichen. „Wenn man so will, ist dieser Zeitpunkt ein Glücksfall für einen Dopingkontrolleur“, sagt Sörgel. Aber selbst wenn es diesen Zufall gegeben haben sollte, „ist der Wert immer noch sehr hoch“. Natürlich könne auch ein Messfehler vorliegen. „So etwas ist in einem Labor immer möglich. Aber dieser Fehler muss dann schon dramatisch sein.“ Entscheidend sei jetzt die B-Probe.

Abweichungen zwischen 10 und maximal 20 Prozent bei der Untersuchung der gleichen Probe in verschiedenen Labors sind durchaus üblich, sagt Experte Sörgel. „Aber selbst wenn bei der B-Probe der Wert 20 Prozent niedriger liegt als in der A-Probe, ist Kessler immer noch ganz klar positiv.“ Nur wenn in Gent dramatische Patzer passiert seien, könne Kessler damit rechnen, dass der Wert der B-Probe unter vier liege.

Matthias Kessler ist am 24. April in Charleroi in Belgien bei einer unangemeldeten Kontrolle getestet worden. Der 28-Jährige hatte im vergangenen Jahr seine erste Etappe bei der Tour de France gewonnen, da fuhr er noch im Trikot von T-Mobile.

Nach Informationen des „Handelsblatts“ schließt die Anti-Doping-Beauftrage des Radsport-Weltverbandes UCI, Anne Gripper, einen Ausschluss des Teams Astana für die Tour de France nicht mehr aus, nachdem auch Astana-Profi Eddy Mazzoleni mit Dopingvorwürfen konfrontiert worden sei und seinem Tour-Teilnahme abgesagt habe. „Es ist durchaus möglich, dass Astana nun von der Tour ausgeschlossen wird. Wir müssen aber Kesslers B-Probe abwarten“, sagte Gripper.

Am Wochenende sollte Kessler in Wiesbaden bei der Deutschen Straßenmeisterschaft fahren. Das wird jetzt natürlich nicht passieren. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hat ihn von der Starterliste gestrichen.

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