Doping : Gesprüht oder gespritzt?

Italiens Radprofi Alessandro Petacchi darf wegen Dopingverdachts nicht zur Tour. Von Team Milram wurde der Sprint-Star suspendiert.

Vincenzo Delle Donne[Udine]
Petacchi
Zwangspause: Dem italienischen Radprofi Petacchi soll ein Asthmamittel injiziert worden sein. -Foto: AFP

Die Idylle im italienischen Radsport ist wieder einmal vorbei. Es war ohnehin nur eine scheinbare Idylle. Die Dopingvergangenheit holte kurz vor dem Start der Tour de France viele Radprofis ein, die zuletzt eine wundersame Auferstehung gefeiert hatten. Zum Beispiel Alessandro Petacchi. Beim Giro d’Italia rührte der Italiener noch die Nation zu Tränen, weil er nach einer Zeit schwerer Verletzungen wieder strahlend siegte. Nun muss der Sprintstar aus La Spezia auf seinen Start bei der Tour de France verzichten. Er wurde vom Milram-Team suspendiert. Zudem muss er mit einer zweijährigen Sperre rechnen. Beim Giro soll Petacchi mit dem Asthma-Mittel Salbutamol gedopt haben.

Der 33-Jährige, der nach seinen fünf Etappensiegen beim Giro d’Italia bei der Tour de France auftrumpfen wollte, bestreitet jegliches Doping. Er habe höchstens ein Mal zu oft gesprüht, erklärte Petacchi. Petacchi hat als Asthmatiker eine Ausnahmegenehmigung; er darf Salbutamol nehmen, allerdings nur bis zum Grenzwert von 1000 Nanogramm. Bei Petacchi wurden aber 1340 Nanogramm gemessen.

Nach Ansicht von Experten ist der hohe Wert ein Indiz dafür, dass Petacchi das Mittel gespritzt wurde. Ettore Torri, führender Dopingexperte des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) von Italien, will vor dem Gespräch mit Petacchi einen Mediziner befragen. „Ich will wissen, ob Petacchis Erklärung plausibel ist.“ Milrams Teammanager Stanga erklärte dagegen: „Wir werden alle Patientendaten mitbringen, um zu beweisen, dass keine Absicht vorlag.“ Zweifel an dieser Lesart hat NOK-Präsident Gianni Petrucci. „Wie ist es möglich, dass 315 Radprofis plötzlich an Asthma erkrankt sind?“, fragte er in der „Gazzetta dello Sport“. So viele hätten eine Ausnahmegenehmigung beantragt.

Vom neuen Dopingskandal erfasst ist auch Giro-Sieger Danilo di Luca. Der 31 Jahre alte Profi schien das neue Gesicht des italienischen Radsports zu werden, obwohl er umstritten ist. Er hat eine gefährliche Nähe zu einem Arzt, gegen den der italienische Radsportverband wegen Dopings Sanktionen ausgesprochen hat: Carlo Santuccione. Di Luca bezeichnet ihn als Freund. Drei Jahre lang ermittelte eine Doping-Sondereinheit der Carabinieri und erstellte ein 14 000 Seiten umfassendes Dossier, das sie an die nationale Anti-Doping-Kommission übermitteln wird. Auf 572 Seiten steht belastendes Material über di Luca. Auf einem Video vom März 2004 soll zudem zu sehen sein, wie Santuccione eine Epo-Spritze für den Profi vorbereitet. Das berichtete die Tageszeitung „La Repubblica“.

Stark belastet wird auch der frühere Telekom-Radprofi Eddy Mazzoleni. Er ist mit der Schwester von Radstar Ivan Basso, Elisa, liiert, die für ihn Dopingmittel geordert haben soll. „Warum soll er für etwas zahlen, das über drei Jahre zurückliegt?“, entrüstete sich Elisa Basso. In einem abgehörten Telefonat soll sie kurz vor der WM in Salzburg ein Hormon verlangt haben, das die Testosteron-Produktion anregt. Abnehmer könnte auch ihr Bruder gewesen sein.

Unterdessen sorgt der Fall des Profis Leonardo Piepoli für Diskussionen. Bei ihm wurden 1800 Nanogramm Salbutamol gemessen. Nun ist nicht klar, welcher Verband gegen ihn prozessieren soll. Piepoli ist zwar Italiener, fährt aber für den spanischen Duval-Rennstall.

0 Kommentare

Neuester Kommentar