Doping im Radsport : Comeback nach der Sperre

Stefan Schumacher muss sich nach seiner positiven A-Probe nicht mit seinem Karriereende beschäftigen. Viele seiner Kollegen machen ihm vor, wie man nach einer Dopingsperre wieder einen Rennstall findet.

Mathias Klappenbach
Stefan Schumacher unter Doping-Verdacht
Radsportzukunft. Stefan Schumacher könnte irgendwann wieder Rennen fahren.Foto: dpa

Es muss nicht alles vorbei sein für Stefan Schumacher. Zwar ließ das Team Quick Step, bei dem Schumacher in den nächsten beiden Jahren fahren wollte, gestern wissen, dass der Vertrag bei einem positiven Dopingtest nichtig sei. Und seine beiden Etappensiege bei der Tour de France 2008 dürften wie die Tageserfolge der anderen positiv getesteten Fahrer vom französischen Radsportverband aberkannt werden. Doch Schumacher ist 27, und nach zwei Jahren Sperre könnte er wieder Rad fahren. Zumindest für ein zweitklassiges Team, da sich die Top-Mannschaften in ihrem internen Ehrenkodex auf eine vierjährige Sperre für Dopingsünder verständigt haben.

Deshalb haben die anderen Mannschaften auch das Team Liquigas aus ihrer Interessenvertretung ausgeschlossen, als es den Italiener Ivan Basso unter Vertrag genommen hat. Basso war wie Jan Ullrich in die „Operacion Puerto“ verwickelt und von der Tour 2006 ausgeschlossen worden. Zugegeben hat er das, was nicht zu leugnen war – mit den sichergestellten Blutbeuteln hätte er Doping zwar geplant gehabt, aber nie durchgeführt. 
 
Basso und Landis wollen nach Dopingsperren 2009 wieder fahren

In zwei Wochen läuft seine Sperre ab, im neuen Jahr will er wieder große Rennen fahren – aber nicht die Tour de France. Aus Angst um den Startplatz hat sein neues Team schon bekanntgegeben, ihn nicht zu nominieren. Dafür wird es ein Wiedersehen mit anderen alten Bekannten geben. Lance Armstrong (der sich dagegen wehrt, dass seine alten Proben noch einmal untersucht werden) kehrt zurück, und auch sein ehemaliger Helfer Floyd Landis darf 2009 wieder fahren. Er war bei seinem Tour-Sieg 2006 gedopt und hatte danach einen millionenteuren juristischen Kreuzzug geführt, um seine vermeintliche Unschuld zu beweisen. In einer Art Roadshow reiste Landis mit einem Arzt durch die Lande und sammelte Spenden – die mit vielen Gags gewürzte Darbietung war auch im Internet als Podcast abrufbar.

Solche Mühe hat sich Alexander Winokurow erspart, er machte nur einen kleinen Witz. 2007 war er während der Tour positiv auf Fremdblutdoping getestet worden, Gerüchten zufolge soll es Blut seines Vaters gewesen sein. Winokurow sagte, dass er dann positiv auf Wodka hätte getestet werden müssen und trat beleidigt zurück, als ihn der kasachische Verband für ein Jahr (statt der üblichen zwei) sperrte. Der Weltverband, der damals wegen des Rücktritts auf einen Einspruch verzichtete, will jetzt noch einmal tätig werden. Wenn das nicht klappt, darf sich Winokurow beim Team Astana mit dem verdächtigten Sieger von 2007, Alberto Contador, und Armstrong um die Kapitänsrolle streiten. Immerhin müssen sie nicht gegen Jan Ullrich fahren – er hat keine Comeback-Pläne, und der 2007 von der Tour ausgeschlossene Michael Rasmussen ist auch erst später wieder dabei.

Manche Rennställe bauen auf mehrere Fahrer mit Dopingvergangenheit

Sie kommen also fast alle zurück oder wollen es zumindest – die Topfahrer, die in den vergangenen Jahren geleugnet, offensichtlich gelogen und betrogen haben. Verwunderlich ist das nicht, wenn man bedenkt, wer alles nie weg war. Bei dem unterklassigen US-Team Rock Racing fährt zum Beispiel Tyler Hamilton, ebenfalls ehemaliger Armstrong-Helfer und gedopt. Und Oscar Sevilla, der 2006 gemeinsam mit Jan Ullrich beim T-Mobile-Team rausgeflogen war. Er hatte gleich ein neues Team gefunden, nachdem im Oktober 2006 die spanischen Ermittlungen in der „Operacion Puerto“ vorläufig eingestellt wurden und jetzt auch nachträglich nichts mehr zu befürchten ist, da vor ein paar Wochen in Spanien alles endgültig zu den Akten gelegt wurde. Auch im Team: Santiago Botero, einst bei Telekom und des Dopings überführt.

Sicher hat jeder eine zweite Chance verdient, vor allem, wenn er seine Verfehlungen eingesteht. Geständige Doper wie Patrik Sinkewitz oder Jörg Jaksche bekommen aber nirgendwo einen Vertrag. Das weiß auch Schumacher, der sicher so bald wie möglich wieder fahren möchte.

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