Doping im Radsport : Jan Ullrich sagt vor Gericht aus

Ex-Profi Jan Ullrich klagt auf ausstehende Gehaltszahlungen. Am Mittwoch ist er vor Gericht geladen und muss sich zu Doping im Radsport äußern. Darum geht es auch beim Auftritt von Radsportpräsident Rudolf Scharping vor dem Sportausschuss.

Mathias Klappenbach

Am Mittwoch müssen Jan Ullrich und Rudolf Scharping Fragen beantworten. Der eine vor Gericht, der andere vor einem Ausschuss. Bei beiden geht es, wie nicht anders zu erwarten, um Doping im Radsport. Und – vereinfacht gesagt – wollen beide Geld, das sie unter Umständen aber nicht bekommen werden. Für den einen würde das weniger Reichtum bedeuten, für den anderen eine Katastrophe für den großen Sportverband, dem er vorsteht.

Jan Ullrich will noch mehr als 300 000 Euro vom Rennstall Coast

Jan Ullrich klagt vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf auf ausstehende Gehaltszahlungen aus seiner Zeit bei dem Radrennstall Coast. Dort stand er 2003 unter Vertrag, weil seine erste Zeit beim Team Telekom nach einer positiven Dopingprobe auf Amphetamine beendet war. Das Team Coast ging aber schnell pleite, Ullrich will für vier Monate noch mehr als 300 000 Euro plus Zinsen. Der Betreiber Günther Dahms will nicht zahlen, weil er „davon ausgeht, dass Ullrich auch bei uns gedopt hat“. Schließlich hat die Staatsanwaltschaft Bonn im April gesagt, dass Ullrich gedopt habe. Sie einigte sich mit Ullrichs Anwälten aber darauf, das Strafverfahren wegen des Verdachts des Betruges gegen die Zahlung einer sechsstelligen Summe einzustellen, weil Ullrich niemanden betrogen habe – wie er ja auch selbst immer sagt. Wo alle dopen und davon wissen, kann auch niemand betrogen werden. Für heute hat das Zivilgericht nun das persönliche Erscheinen Ullrichs, der sich sonst nur ab und zu bei einem Benefizrennen oder einer Radmesse sehen lässt, angeordnet. Im Büro seines Anwalts Ulrich Theune hieß es, dass er kommen werde. Was auch immer er sagen oder nicht sagen wird, hat außer für sein Portemonnaie aber nur noch symbolischen Charakter für die jüngere Geschichte des Radsports.

Das Gericht wird Ullrich alle Zeit der Welt geben, sich zu erklären. Rudolf Scharping hingegen hat nur fünf Minuten, obwohl es um viel weitreichendere mögliche Konsequenzen geht. Der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) soll heute unter Tagesordnungspunkt 4 im Sportausschuss des Deutschen Bundestages ein kurzes Eingangsstatement halten, bevor die Abgeordneten ihre Fragen zu den Anti-Doping-Bemühungen des BDR und deren vermeintliche Erfolge an ihn richten werden. Scharping will sich dazu „aus Höflichkeit gegenüber dem Ausschuss“ zuvor nicht äußern. Es ist aber damit zu rechnen, dass er damit argumentieren wird, dass der Radsport mehr Anstrengungen gegen Doping unternimmt als andere Sportarten.

Die Politik diskutiert über ein Ende der Förderung

Winfried Hermann von Bündnis 90/ Die Grünen hat beantragt, die finanzielle Förderung des Radsports komplett zu streichen und die rund 2,5 Millionen Euro jährlich stattdessen für Anti-Dopingforschung und Dopingprävention auszugeben. Für den BDR wäre eine Sperrung oder gar Streichung der Mittel ein schwerer Schlag, da er den größten Teil seiner Kosten für den Bahnradsport und seine Trainer daraus bezahlt. Generalsekretär Martin Wolf wies darauf hin, dass „nur knapp ein Prozent der Gesamtförderung, in diesem Jahr, rund 24 000 Euro, für die Profis auf der Straße aufgebracht werden“. Winfried Hermann dagegen sagt, der Staat dürfe Sportarten nur fördern, wenn sie glaubwürdig gegen Doping kämpften. Dies sei im Radsport derzeit nicht gegeben: „Es wird in allen Bereichen gedopt.“

Letzte Verfehlung in einer langen Reihe sei der Umstand, dass der BDR bei den deutschen Mountainbike-Meisterschaften keine Dopingkontrollen durchgeführt hat. Der Verband sagt, er habe kein Geld mehr dafür gehabt. Der Vorsitzende des Sportausschusses, Peter Danckert (SPD), rügte das Bundesinnenministerium dafür, dass es keine Bedenken gegen diese Maßnahme des BDR erhoben hatte. „Nach seinen Regeln muss der BDR da testen. Nach seiner Vereinbarung mit der Nationalen Doping-Agentur muss er aber nur ,in der Regel’ testen. Da ist die Lage unklar“, sagt Peter Danckert auf Nachfrage. Wenn das Geld nicht für Kontrollen reiche, müsse eventuell sogar ausgeholfen werden. Also auf einmal mehr Geld für den BDR aus Verfahrensgründen? Dazu wird es nicht kommen, aber an dieser Stelle des politischen Prozesses der Entscheidungsfindung entfernt sich die Debatte immer weiter vom Sinn des Antrags von Winfried Hermann.

Danckert: "Der BDR hat keine blütenweiße Weste"

Denn Rudolf Scharping soll heute auch Auskunft darüber geben, inwieweit sein Verband im vergangenen Dezember festgestellte Versäumnisse aufgearbeitet hat. „Der BDR hat keine blütenweiße Weste. Und leitende Funktionäre sind mit Dopingmachenschaften in Verbindung gebracht worden“, sagt Danckert. Als Maßnahme denkbar seien „eine Sperrung der Mittel, eine teilweise Streichung oder die Gelbe Karte. Bei Verstößen können wir auch Gelder zurückfordern“. CDU und FDP mahnen aber schon vor der entscheidenden Sitzung zur Mäßigung.

Der Sportausschuss spricht eine Empfehlung aus, formell entscheidet dann der Haushaltsausschuss des Bundestages über die Vergabe der Mittel. Dort wird dann so entschieden, wie es von den einzelnen Fraktionen zuvor ausgehandelt wurde. Es deutet wenig darauf hin, dass dem Radsport alle Mittel gestrichen werden. Etwas mit symbolischem Charakter dürfte es aber schon werden.

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